Zombies!
Wenn sie nicht bereits im Kino reißenden Absatz erreichen, so sind Post-Apokalyptische Filme mindestens auf DVD beliebte Geschenke oder allgemein Einkäufe. Sei es 28 Days Later, Zombieland oder Resident Evil – Zombies werden gerne gesehen; man beobachtet gerne die letzten lebenden Menschen in einer Post-Apokalyptischen Welt, die es irgendwie schaffen, vor den Zombiemassen zu fliehen und in ein sicheres Asyl gelangen. Wir mögen Science-Fiction, Post-Apokalyptische Zukunftsvisionen. Im Zusatzmaterial zu der klassischen Star-Wars-Trilogie wurde erklärt, dass zur Zeit, als Episode IV: Eine neue Hoffnung erschien, die Kinos voll waren von grausamen Filmen, purer Zerstörung und Blutdurst. Ein bisschen wahlloses Herumgestöbere in der Filmographie des Jahres 1975 liefert auch prompt ein paar Beispiele: “Die 120 Tage von Sodom“, “Angst vor der Angst” und “New York antwortet nicht“.
Der Erzähler des Zusatzmaterials erklärt, dass die Menschen, geprägt von Vietnam und Korea; bzw. ganz allgemein vom Kalten Krieg mit solchen Filmen etwas anfangen konnten – sie wollten die düstere Realität in den Schlachtfeldern sehen. George Lucas war damals ein Visionär, der mit Star Wars genau das Gegenteil produziert hat: ein Film voller – ja, beinahe schon kindischen – Optimismus und einer Lovestory mit Happy End. Und jetzt übertragen wir einmal den ersten Satz dieses Absatzes auf unsere Zeit. Stellen wir uns vor, wir gingen in die Kinos, um zu sehen, was in der Welt passiert. Zwar nur auf einer metaphorischen Ebene, künstlerisch gestaltet, aber mit demselben Hintergrund.
Und auf einmal bekommen Zombiefilme eine völlig neue Perspektive. Führen wir uns einmal den Inhalt vor Augen: ein paar Überlebende fliehen vor einer Masse von Menschen, die jeglicher Intelligenz beraubt wurden und nur noch nach Hirn rufen. Die Überlebenden haben Angst, mit in diese hirnlose Masse gezogen zu werden und metzeln ordentlich herum, bis sie in einem sicheren Asyl mit weiteren Überlebenden sind. Nun nehmen wir einmal den Film Idiocracy zu Hilfe. Auch dieser Film ist postapokalyptisch, spielt im Jahre 2505 und handelt von zwei absolut durchschnittlichen Menschen, die 2005 eingefroren wurden und erst 500 Jahre später aufgewacht sind und sich in einer Welt wiederfinden, die von der Dummheit regiert wird, von Menschen mit einem IQ von vielleicht 50. Über diese Brücke (anstatt Zombies schlicht unheimlich dumme Menschen) lässt sich einfacher die Brücke von Filmen wie 28 Days Later in die heutige Welt schlagen: wir identifizieren uns mit den Überlebenden, haben selber Angst vor Zombies und wollen überleben.
Denn, überlegen wir uns einmal, wie die Graue Masse (zu der aber im Übrigen auch ich und ihr auch gehören) sich denn zusammensetzt. Wir kaufen Mode bei H&M, weil es einerseits (tatsächlich) gut aussieht, andererseits aber eben auch enorm billig ist. Und plötzlich stürzt in Bangladesh eine Textilfabrik ein – 900 Tote. Was passiert? Mehr als ein paar Wochen Umsatzeinbrüche kann im allerschlimmsten Fall für H&M nicht entstehen. Wir tanken Benzin von BP oder einer der Tochterfirmen, weil es eben praktisch ist, ein Auto zu fahren. Und plötzlich schlägt eine Ölplattform in Golf von Mexiko leck – unzählbar viele tote Tiere. Was passiert? Ein paar Jahre später fahren nicht etwa weniger Menschen Auto, nein, BP muss von der US-Amerikanischen Regierung für schuldig befunden werden, damit für BP überhaupt eine spürbare Strafe gefunden ist.
Oder Lebensmittel: wir schreien nach “Billig! Billig! Billig!” und vergessen dabei, dass das gleichzeitig auch heißt “Schlecht! Schlecht! Schlecht!” Wir Studenten in Bonn regen uns darüber auf, dass uns Mensaessen im Durchschnitt vielleicht 2 – 3 Euro kostet, wollen aber nicht wahrhaben, dass eine vernünftige, selbst gekochte Mahlzeit keinen Deut günstiger ist. Selbst Tiefkühlpizza ist teuer. Denn für 1,50€ bekommt man in etwa so viele Vitamine wie in einem Salatblatt enthalten sind (oder irgendwie sowas). Oder, wie der Autor Jakob Strobel Y Serra schreibt:
“Das gleiche Geld in ein zehngängiges Degustationsmenü zu stecken, halten viele aber für pervers und dekadent – und machen ohne Wimpernzucken einen Familienausflug in den Freizeitpark, der nicht viel billiger ist als ein Besuch im Sternerestaurant mit Kind und Kegel.”
Die Horden von Zombies in Post-Apokalyptischen Filmen sind künstlerisch stark überzeichnete westliche Gesellschaften, die sich genauso verhalten. Ein Zombie entdeckt einen der Überlebenden – und alle rennen darauf zu, als stünde auf einem Werbeplakat angepriesen: “Heute frisch im Angebot: Mensch!” Zombies sind der perfektionierte Herdentrieb. Und was, wenn wir genau das gleiche sind, es nur nicht wahrhaben wollen und deswegen in Kinos gehen, um uns Filme anzuschauen, in denen dieser Zombiegesellschaft ein paar normale Menschen entgegengestellt werden, mit denen wir uns dann identifizieren können und uns ein paar Stunden länger in der Illusion wiegen können, wir würden nicht immer das beste für weniger Geld haben wollen und uns von Werbung benebeln lassen?
Wie ein ziemlich guter Prof. der Yale University in einer Online-Vorlesung zu Platons Politeia ziemlich oft sagte:
Think about that.

