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A different view on reality

Warum die CDU so unbeliebt ist – und trotzdem gewinnt

Posted on | Oktober 31, 2009 | 1 Comment

“Ich kann es nicht verstehen”, oder “Warum sind die denn schon wieder dran?” sind typische Sätze, die man so oder sinngemäß sehr oft zu hören bekommt, wenn man sich unter Teilen der Bevölkerung umhört. Natürlich – es geht um die CDU und ihren Wahlsieg. Doch warum bekomme ich von meinen Bekannten oft eine Anti-CDU-Einstellung zu hören, wenn die CDU doch – mit Verlusten aber immer noch weit an der Spitze – die letzte Bundestagswahl gewonnen hat?

Im Grunde ist es doch so, dass man von Blogbetreibern, Internetnutzern, “Zockern” und Arbeitnehmern grundsätzlich eine negative Meinung zur CDU erfährt. Aber genauso bekommt man vom restlichen Volk eine positive Meinung zur CDU zu hören. Warum ist Deutschland so gespalten?

Das ist sicherlich eine große Frage, doch die Beantwortung ist relativ trivial, wenn man unsere Gesellschaft und die Umstände, was an der CDU nun genau in der Kritik ist, bedenkt. Internetnutzer, “Zocker” und Blogger sind die eine Gruppe, die oft gegen die CDU hetzt. Diesen Menschen liegt das Internet und eine zensurfreie Berichterstattung am Herzen. Und das sind genau die Punkte, in denen die CDU in den letzten Jahren massiv geschwächelt hat.
Die Stop-Seiten der Ursula von der Leyen, die umfassenden Gesetze des Wolfgang Schäubles sind nur die beiden Prestigeobjekte der Internetgemeinde, welche angeführt werden, um die CDU zu rügen. Hier ist die negative Haltung gegenüber der CDU also meist aufgrund dieser beiden CDU-Minister der vergangenen Bundesregierung aufzufinden.

Und der Rest des Volkes? Nunja, größtenteils hat die SPD den weitaus größeren Mist gebaut. Und Pech gehabt. Viel Pech. Und das größte Unglück war die Koalition mit der CDU. Denn durch sie konnte die SPD kaum irgendwelche Gesetze durchbringen. Dagegen hat die CDU schon mehr erreicht. Wie gesagt – Stop-Seiten und BKA-Gesetz. Abgesehen davon, dass letzteres sogar nichteinmal wirklich 100% legal durchgebracht wurde, lässt sich hieran gut sehen, wieso die SPD so stark abgebrochen ist. Denn Stop-Seiten und das BKA-Gesetz hatten nichts mit Wirtschaft oder dem sozialen Gefüge als solchen zu tun. Und das bedeutet, dass hierbei die hauptsächlichen Streitpunkte der CDU und SPD – Wirtschaft und Sozialismus – außerhalb gelassen wurden. Das erklärt die erhöhte Anzahl der Ja-Stimmen seitens der SPD für diese Gesetze.

Diese beiden Tatsachen – Machtlosigkeit und Pech, dass von der Leyen und Schäuble ausgerechnet diese beiden Streitpunkte erzeugen mussten – haben die SPD zumindest bei einigen “modernen” Teilen der Gesellschaft weit absacken lassen.

Doch die Machtlosigkeit der SPD hat auch dafür gesorgt, dass viele sozial Schwache und Geringverdiener abgesprungen sind, da sie sich von der SPD enttäuscht sahen. Warum eine Partei wählen, die eh nichts für die Menschen tut? Da glaubt man doch eher der Partei, die Steuersenkungen verspricht.

Was blieb also letzlich auf dem Wahlzettel übrig, das man wählen konnte? Die SPD schied aus, soviel war sicher. Die Gründe wurden schließlich gerade genannt. Die Grünen waren seit jeher keine echte Partei des Volkes. Natürlich vertreten sie ein breites Interessenspektrum, aber im Volk haftet ihnen immer noch stark das “grüne Image”, das sie sich auch bewahren, an. Das macht sie vor allem in Zeiten der Wirtschaftskrise einfach unbrauchbar. Man braucht starke Parteien, die dem Staat die Kassen fluten und Entlastungen für alle bringen. Also fallen die extremen ideologischen Parteien NPD und KPD schon einmal weg. Bleiben also noch als Alternativen die Linke, CDU und die FDP. Die Linke scheidet auch aus. Einerseits, weil eine gewisse Angst vor den Linken herrscht. Das ist teils durch die anderen Parteien erzeugt worden, andererseits haftet es der Bundesrepublik aber auch an.

Deutschland war seit Anbeginn der Zeit schwarz. Zuerst von einem Monarchen regiert, waren auch nach dem zweiten Weltkrieg immer noch die Konservativen beliebt. Denn natürlich möchte man bei der Demokratie bleiben, alles andere wäre fatal. Unter Anderem, weil nicht gerne von NATO und EU gesehen. Aber wenn man schon keinen König haben kann, der einem alles vorkaut, dann wählt der deutsche Michel eben die, die am nächsten dran sind und wo niemand drauf käme, dass eine Radikalisierung einsetze. Also die Schwarzen.

Nicht zu vergessen die Wahlversprechen. Mit Sätzen wie “Mehr Brutto vom Netto” und dem Drei-Stufen-Steuermodell hat besonders die FDP gepunktet. Darum hat sie auch über 14% erreicht. Die FDP hat den Zeitgeist erfasst und genutzt. Die CDU schaut in die Röhre, braucht sich aber nicht grämen, da die meisten CDU-Wähler, die abgesprungen sind, zur FDP über gewechselt sind. Faktisch haben sie also auch die CDU gewählt.
Die SPD hat massiv verloren. Ihre Wähler sind in alle Lager abgedriftet. Wie der Spiegel schrieb, habe Merkel sie kaputt regiert. Ich nehme an, der Spiegel meint damit eben jene Machtlosigkeit, die es einfach machte, der SPD eine Mitläufermentalität und Aktionslähme vorzuwerfen.

Und somit ist es erklärt, dass die CDU verloren und gewonnen hat. Alles ist genauso verlaufen, wie es der CDU nur am besten hätte widerfahren können. Die CDU ist an der Macht, Merkel bleibt, sie hat mit der FDP zusammen die absolute Mehrheit im Bundestag und da die FDP der CDU relativ hörig ist, werden schwarze Gesetze vermutlich bald durchgesetzt. Und das alles, weil der Wähler quasi per factum gezwungen war, die CDU oder FDP zu wählen.
Wegen den überzeugendsten Wahlversprechen, der Wirtschaftskrise und weil SPD und die Linken keine Alternative waren. In heutigen Tagen zählt wirtschaftlicher Wohlstand eben über dem Sozialen.

Moment mal – hat eigentlich irgendwer im Wahlkampf einmal die Bildung in den Mund genommen?

Comments

One Response to “Warum die CDU so unbeliebt ist – und trotzdem gewinnt”

  1. Andersen
    November 17th, 2009 @ 13:46

    Interesting article, thanks for posting

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