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A different view on reality

Rückfall nach Weimar?

Posted on | Dezember 2, 2009 | 3 Comments

Nun schau sich einer das an: Die Schweizer votierten für ein Minarettverbot! Was man in einem aufgeklärten, westlichen Europa nie für Möglich gehalten hätte, ist bittere Realität geworden. Auf einer von rechten Parteien initiierten Volksabstimmung votierten mehr als 50% für “Ja” zum Minarettbauverbot. Und nun hat die Schweizer Regierung das Nachsehen – sie muss verhindern, dass eine Art ähnlicher Hetzaufruf aus der islamischen Welt wie auf die dänischen Mohammed-Karikaturen stattfindet. Denn wenn die radikalen Elemente der arabischen Welt die Oberhand über die Muslime auf der Welt bekommen, werden wieder Botschaften brennen und es werden unglaubliche Hassenergien frei. Das ist zwar bisher nicht der Fall, aber wer weiß, was da noch kommt. Denn bereits jetzt fangen viele islamische Regierungen an, gegen die Schweiz zu wettern. Zwar bleiben sie alle politisch korrekt und sehen es lediglich als Verletzung der Religionsfreiheit bzw. der Menschenrechte, aber da ist was im Anzug. Erdogan setzte laut Spiegel.de gar die Islamophobie mit einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleich. Ist es ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wenn man Angst vor bestimmten Menschengruppen hat?

Fest steht doch wohl, dass hier mächtig Ärger im Busch ist. Denn nur weil in der Schweiz so etwas per Volksabstimmung durchgebracht wird, muss es lange nicht heißen, dass nur die Schweizer jetzt zu den modernen Rassisten geworden sind, nein. In jedem Land sitzt irgendwo diese Islamophobie, auch in Deutschland. Und auch hier nehmen sich erzkonservative bis rechte Vereinigungen diesem “Problem” an. Zum Beispiel wettern Pro.NRW bzw. Pro.Köln sehr stark gegen die Kölner Großmoschee. Und nun sitzt jeder Deutsche eigentlich in einem tiefen Glaubensproblem. Denn im Grunde ist es doch so, dass jeder Deutsche denkt: “Klar, Islam soll zugelassen sein”, aber gleichzeitig auch denkt: “Eine Großmoschee passt nicht zu Deutschland. Deutschland war und ist ein christliches, abendländisches Land und da haben so deutliche Symbole des Islams nichts verloren! Ebenso wenig wie Kopftücher”. Denn jeder muss doch irgendwo sich an die Kultur des Landes, in dem er lebt, anpassen. Oder?

Das ist es doch, was viele Deutsche denken. Und was übrigens auch jeder Chinese und auch jeder Japaner und auch jeder Araber denkt. Jeder möchte im eigenen Land die eigene Kultur, keine andere. Und das ist auch gut so. Denn sonst haben wir irgendwann nur noch eine einzige, langweilige Einheitskultur und es gäbe kaum noch Grund, auch in ferne Länder zu reisen. Doch die Globalisierung bringt diese Kulturen durcheinander. Durch freie Reisemöglichkeiten in aller Herren Länder und auch Möglichkeiten, auszuwandern/einzuwandern wird es möglich, dass sich die Kulturen eines Landes vermischen. Das das zu Reibereien führen muss, ist da schon beinahe selbstverständlich. Aber genug zu Kulturen.

Fest steht doch, dass dies sehr gefährliche Entwicklungen sind. Ich meine wir leben in einem Land, in dem sich die Regierung zerfleischt und immer unfähiger wird, hier passiert doch außer ein paar heiklen Gesetzen wie dem der Stopp-Seiten und des BKA-Gesetzes  politisch nichts mehr. Zudem existiert eine große Angst vor dem Verlust der eigenen Kultur. Und all das wird extremer. Zudem, das sollten wir nicht vergessen, haben die Deutschen in dem Sinne keine “echte” Kultur mehr. Klar, wir haben noch eine Hymne, man verbindet uns in der ganzen Welt immer noch mit Weißwurst und Brezel und nennt uns (immer noch) Krautsalat, wie meine Freundin mir letztens eröffnete, aber haben wir Nationalstolz? Stehen wir bei der deutschen Nationalhymne auf? Nein. Nicht, dass ich das jetzt wollte, aber das ist doch der Punkt, der diese Islamophobie noch verstärkt: “Erst haben wir keinen Nationalstolz und dann nimmt der Islam noch Überhand!” Alles wird extremer.

Wie der Musikgeschmack der jungen Menschen immer mehr in die Extreme abschweift, schweifen auch Politik und Meinungen auseinander. Und ganz ehrlich: Irgendwo haben wir doch gerade schon wieder eine Entwicklung in Richtung Weimar. Zumindest scheint es ganz danach. Und wenn der Kapitalismus demnächst noch zusammenbricht, was laut einiger Menschen auch noch möglich ist, da er nur auf Wachstum aus ist, haben wir wieder idealen Nährboden für Faschismus. Vielleicht wird es nicht NSDAP heißen, vielleicht werden es keine rechtsradikalen sondern linksradikale Faschisten sein – wer weiß das schon?

Worauf ich hier hinaus will, ist doch im Grunde nur, dass die aktuellen Entwicklungen in Deutschland und auch in der gesamten Welt, um den Druck auf Deutschland zu nehmen, sehr gefährlich sind  und in diese Richtung verlaufen. Sicherlich muss das nicht passieren, aber es ist schon einmal passiert, und man kennt das ja vom Menschen, dass Fehler nicht unbedingt zum Lernen anregen.

Comments

3 Responses to “Rückfall nach Weimar?”

  1. Paul
    Dezember 3rd, 2009 @ 10:22

    Schöner Beitrag!

    Sehe das so ähnlich wie du. Durch das Minarett-Verbot wird ja kein Muslim daran gehindert, seine Religion auszuüben. Es gibt keine Straßensperren o.ä. welche verhindern, dass gläubige Muslime eine Moschee besuchen oder zu ihrem Gott beten wollen. Dazu ist auch kein Minarett notwenig! Es hat in erster Linie Keine sinnvolle Funktion – außer zu verdeutlichen: Hier regiert der Islam! Und genau das stört die Schweizer (zurecht). Sie wollen nur ihre eigene Kultur erhalten.
    Es ist traurig zu sehen, dass in unserer Gesellschaft die fremde Kultur immer wichtiger ist als die eigene. Kultur ist ein wichtier Bestandteil in einer Gesellschaft. Sie bietet einen gemeinsamen Nenner, der Moral und Ethik vermittelt und den Menschen ein Gefühl von Geborgenheit gibt. Und dieses Gefühl darf man den Menschen nicht so einfach nehmen.
    Integration kann schließlich nur gelingen, wenn man selbstbewusst zu seinen Werten steht und diese auch weiter geben möchte.

  2. Kinder Herz
    Dezember 3rd, 2009 @ 20:53

    direkte demokratie ist der repräsentativen demokratie einiges voraus. es wurde demokratisch entschieden, dass in der schweiz keine minarette mehr gebaut werden sollen. problematisch ist nur, dass das votum von der rechten svp arrangiert wurde. parteiideologie (bzw xenophobie) auf landesebene zu bringen ist natürlich trotzdem eine sauerei, vor allem, wenn die leute drauf anspringen.

  3. Hendrik Erz
    Dezember 3rd, 2009 @ 23:18

    Richtig. Klar sind die Rechten immer irgendwo “doof”, aber immerhin, das bringt jetzt das große Thema “Islamisierung” wieder auf den Tisch. Im Grunde wurde das ja nur als böse abgetan, weil man einen auf besonders Tolerant machen wollte. Außerdem wurde das Thema “Islamisierung” bisher (logischerweise) nur von den Rechten Parteien ernst genommen. Aber jetzt, wo sich äußert, dass sie damit total auf die Zeichen der Zeit treffen, gerät das Ganze natürlich ins Wanken. Wir werden sehen, wie die Politik darauf reagiert. Aber von Schwarz-Gelb erwarte ich ehrlich gesagt nicht viel.

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