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A different view on reality

Parking Extreme – Wenn deutsche Autofahrer tanken fahren

Posted on | Dezember 14, 2009 | 3 Comments

Montags Morgens, 10:30 Uhr in Deutschland. Besser gesagt an der Tankstelle Metro in Krefeld Uerdingen. Heute kostet der Sprit nur unglaubliche 1.22€ – für den leidgeplagten deutschen Arbeiter eine Sensation, ein Spritpreis von fast 1.20€ – Preise wie damals. Und was macht der schlaue Autofahrer dann, wenn der Tank erst halb voll ist und der Sprit trotzdem so billig ist? Richtig – es wird getankt, bis der Tank platzt.

So auch heute. 10:28 Uhr – ich fahre mit meinem kleinen, unauffälligen weißen Polo auf das Gelände der Metro und sehe bereits beim Heranfahren die Automengen, die sich vor der kleinen unmodernen, fast schon “Tante-Emma-Laden”-ähnlich wirkenden Tankstelle auf dem Gelände mit ihren vier kleinen Zapfsäulen stapeln. Kopfschüttelnd und etwas skeptisch fahre ich auf das Gelände und reihe mich hinter der Schlange an der erstbesten Super-Säule ein. Und das Spiel beginnt.

Wenn man als Unbeteiligter einfach nur in seinem Auto sitzt und das Geschehen beobachtet, kommt es einem beinahe vor, als sei man bei “Versteckte Kamera” gelandet, oder in einer sonstigen Standup-Comedyserie. Zur malerischen Begleitung eines mehr oder minder dissonant klingendem Hupkonzert hört man laute Männerstimmen über den halben Platz hallen, welche sich gegenseitig des Vordrängelns beschuldigen. Es geht vorwärts, ein Auto hat fertig getankt.

Da direkt vor der Super-Zapfsäule eine Diesel-Zapfsäule steht, hat sich dort auch eine zweite Schlange gebildet. Nun steht der deutsche Autofahrer vor dem großen Problem, dass zwei Autos gleichzeitig an den beiden Säulen tanken können, und, damit es schneller geht, die Autos, die an der weiter hinten befindlichen Zapfanlage, die natürlich, wenn sie fertig getankt haben, raus müssen, durch die Schlange der Dieseltanker zu lassen. Und damit hätten wir das erste Problem, an dem die Menschen gnadenlos scheitern. Da will ein Auto raus, und rammt beinahe den in Lauerposition befindlichen Van, bis der Fahrer desselben endlich bemerkt, dass er einen Meter zurücksetzen muss. Widerwillig setzt dieser dann auch zurück – er könnte ja übergangen werden beim Dieselausschank. Oder der Preis könnte jederzeit um zwanzig Cent nach oben schnellen. Wieder geht es eine Warteschlangenposition weiter nach vorne.

Nur noch zwei Autos vor mir. Da kommt der nächste Dieseltanker: Ein mit zwei großen Spindeln Starkstromkabel beladener Transporter fährt aufs Gelände und, da er es besonders eilig hat und ganz zufälligerweise der Tankstutzen auch noch auf der linken statt rechten Seite befindlich ist, ist es natürlich praktisch, einfach von vorne vorzufahren, um dann, sobald der Van fertig getankt hat, aufzurücken. Doch da haben die eifrigen Handwerker die Rechnung ohne den Fahrer des nun vorgefahrenen Mercedes-Jeep gemacht. Dieser hat den Tankstutzen ebenfalls auf der linken Seite und steht damit sozusagen “auf der falschen Seite”. Er nutzt eine interessante Strategie, um an das Objekt der Begierde möglichst komfortabel heranzufahren: Er setzt einfach rückwärts hinter den Van vor, welcher nun also von zwei Seiten bedroht wird und sich bemüht, schnell fertig zu werden. Doch dann bemerkt der Mercedesfahrer den ungebetenen Drängler, welcher ganz bestimmt mit voller Absicht als erstes an die Zapfsäule will. Mit hochrotem Kopf steigt er aus und steigt in ein heftiges Wortgefecht mit dem ganz und gar nicht bitterbösen Fahrer des Transporters ein. Der Van begibt sich, endlich vollgetankt, ganz schnell aus der Misere und verdünnisiert sich, bevor der Streit eskaliert. Es geht eine Position vowärts.

Nur noch ein Auto vor mir – und der Mercedesfahrer hat seinen Revieranspruch durchgesetzt – er darf als erstes an die Tanksäule. Trotz seiner wunderschönen Zirkel, die er zog, um sich in Rückwärtsposition zu manövrieren, fährt er doch “verkehrt herum” an die Zapfsäule an. Ich schüttle den Kopf leicht belustigt, während sich der Schlauch mit dem Göttersaft bis zum zerreißen spannt, um in die kleine Öffnung gepresst zu werden.

Doch dann tut sich ein neues Problemgebiet auf: Da die mittleren Zapfsäulen so eng beieinander stehen, dass dort nur 2 Autos durch passen (und erfahrungsgemäß beide Schlangen von hinten nach vorne durch rücken), aber ebenfalls eine Dieselsäule befindlich ist, machen es sich die schlauen Dieselfahrer sehr einfach und fahren einfach von vorne an die leerstehende Parkposition heran – wozu auch anstellen, wenn man sofort tanken kann ohne sich vorzudrängeln? Gemütlich tankt der Golf, während sich auch der Mercedes-Jeep schon vom Acker gemacht hat. Just in dem Augenblick kommt die Fahrerin des schwarzen Opel Corsa aus dem Kassenhäuschen und setzt sich in ihr Auto – bis sie bemerkt, dass sie gar nicht heraus kommt! Jaja, Radkäppchen und der böse Golf. Wieder ein Auto vorwärts – endlich bin ich dran.

Auf Rat meines Großvaters nutze ich den Benzin-Stutzen, aus welchem seit einiger Zeit auch Super anstatt Benzin herauszukommen scheint, an welchem sich aber noch niemand mit einer neuen Aufschrift “SUPER” zu schaffen gemacht hat. Super Sache. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich tanke und fahre schnell vor neben das Kassenhäuschen, während mein Begleiter bezahlt, um aus dem Schlachtfeld entronnen zu sein – eine richtige Entscheidung, wie sich wenige Sekunden später mit dem Aufkreuzen von einer weiteren Horde wilder Fahrzeuge bestätigt.

Mit den Worten “Ich kütt mich amüsiere” steigt mein Großvater wieder ins Auto und wir verlassen das Gelände, wieder um eine Erfahrung reicher – ein echter Autofahrer muss auch in der heutigen Zeit noch um jeden Tropfen Sprit kämpfen wie ein echter Mann. Du bist Autofahrer – du bist Deutschland.

Comments

3 Responses to “Parking Extreme – Wenn deutsche Autofahrer tanken fahren”

  1. code herz test
    Dezember 27th, 2009 @ 20:23

    LOL

  2. Netzwerkadministrator, Multimediaentwickler, IT-Securitykoordinator Toni Schlack stellt sich hier vor
    Januar 27th, 2010 @ 21:34

    [...] Parking Extreme – Wenn deutsche Autofahrer tanken fahren [...]

  3. Olaf
    Februar 12th, 2010 @ 23:08

    Tja, beim Auto und allem drumherum hört ja bekanntlich bei den Deutschen der Spaß auf…

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