Terrorismus: Wie der Feind in der technologischen Steinzeit verschwindet
Posted on | März 9, 2010 | No Comments
Seit Jahrzehnten kämpfen die Amerikaner in Afghanistan gegen Terroristen. Die Taliban, eine Eliteeinheit, die ursprünglich von den Amerikanern ins Leben gerufen wurde, um die Russen aus Afghanistan zu drängen, hat sich, nachdem sie von Amerika fallen gelassen wurden, wie eine heiße Kartoffel, gegen ihre einstigen Geldgeber gewandt und wollen nun ihr Land zurück von den eingefallenen Amerikanern. Dass die Taliban als Untergrundkämpfer ein schwerer Brocken für die US-Armee sind, wurde längst bewiesen. Doch was ist mit den Technologien, die – immer moderner – in Afghanistan zum Einsatz kommen?
Jüngst hat der SPIEGEL ein Dossier zum Thema Drohnenkampf herausgebracht und dokumentiert die neue Strategie in Afghanistan. Mit diesen unbewaffneten Killermaschinen will die US-Armee die Taliban endgültig ein für alle Male ausschalten. Und bisher scheint es zu gelingen: Neben Hunderten vertuschten zivilen Opfern sterben auch tagtäglich Talibankämpfer. Angeblich sollen es nur noch 50 sein. Doch was geschieht, wenn das so weiter geht?
Die westliche Welt wird immer technologisierter, der Mensch selbst muss kaum noch etwas machen, er sitzt hinter Stahlbeton geschützt und schickt unbemannte Fluggeräte und Fahrzeuge heraus, um den Feind zu töten, ohne selbst in Gefahr zu geraten.
Die Taliban sind in arger Bedrängnis, aber nicht dumm. Längst agieren sie unauffälliger, verwischen ihre Spuren deutlicher und schießen teils auch die Drohnen ab. Ebenso verschwindet westliche Technik aus dem Repertoire der Kämpfer. Es ist eindeutig eine Entwicklung hin zu sehen, dass die Taliban Technik aufgeben, um unsichtbar zu werden. In der heutigen Zeit der Überwachung muss der Mensch eben alles aufgeben, was ihn identifizieren könnte. Es findet eine Rückkehr zum realen Leben ohne Technik statt, Technik wird immer gespenstischer, weil man immer mehr machen kann. Es ist beinahe ironisch, dass gerade zeitgleich zu diesem Dossier auch ein sehr großes Botnet ausgehoben wurde.
Doch man sieht – immer mehr Terroristen beginnen, die Technik auszutricksen, wo es nur geht. Und vielleicht gelingt es auch irgendwann. Denn dann ginge der “Kampf gegen den Terror” in eine neue Runde und die USA wären wieder gezwungen, konventionelle Maßnahmen zu ergreifen. Oder sie kesseln einfach alle “bedrohlichen” Länder ein, sodass keine Terroristen mehr entkommen können.
Ich bin ehrlich gesagt gespannt, zu sehen, wie sich die Situation entwickelt und bin irgendwie froh, dass die Terroristen sich zu wehren wissen. Denn – ohne den USA zu nahe treten zu wollen – aber was werden die USA tun, wenn alle ihre “natürlichen Feinde” besiegt sind? Was tut der Mensch, jetzt wo seit Jahrhunderten alle natürlichen Feinde ausgerottet sind und der Mensch an der Spitze der Nahrungskette steht? Was tut er nun? Und was werden somit die USA tun?
Mir graut es ehrlich davor, wenn sich die USA Europa zuwendet. Politik muss sich weiterentwickeln. Es darf/soll keinen Status Quo geben, bei dem keine Politik mehr betrieben werden muss, weil alle Gesetze soweit perfekt sind, also muss sich etwas verändern. Und da ist nun einmal Europa im Fadenkreuz der Amerikaner.
Darum hoffe ich darauf, dass die Amerikaner noch lange in Afghanistan zu tun haben werden, und uns in Ruhe lassen.
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