Des Septembers letzte Gedanken . . .
Posted on | März 12, 2010 | No Comments
Es ist schön zu wissen, dass es Firmen gibt, denen man vertrauen kann. Prophecy Productions ist eine dieser Firmen. Ein süddeutsches Musiklabel, spezialisiert auf, wie sie es nennen, „Eerie Emotional Music“. Über die Jahre hat dieses kleine, aber stetig wachsende Label ein unglaubliches Gespür entwickelt unbekannte und talentierte Künstler unter seine Fittiche zu nehmen. Inzwischen vertraue ich diesem Label blind. Und nach ihrem neusten Wurf erst recht.

Les Discrets - Septembre et ses dernières pensées
Les Discrets, zu deutsch die Geheimnisvollen, heißt der Neuzugang im Hause Prophecy. Ein dreiköpfiges Musikprojekt um den kreativen Kopf des Franzosen Fursy Teyssier, seines Zeichens Musiker und Grafikdesigner. Als letzterer stellt er schon seit längerer Zeit sein Können unter Beweis, mehrere animierte Kurzfilme und Coverartworks tragen seinen Namen. Als Musiker hingegen ist er ein weitestgehend unbeschriebenes Blatt, sieht man von wenigen Auftritten im Hintergrund der der französischen Schwarz-Metall Szene ab.
Nun, mitten im Frühling, präsentieren die drei Franzosen der Welt ihr Debüt. Es trägt den klangvollen Namen Septembre Et Ses Dernières Pensées, was auf deutsch etwa soviel heißen mag, wie „die letzten Gedanken des September“. Ungewöhnlich, in Zeiten wo die Schneeglöckchen spriessen und der letzte, von Abgasen graue Schnee an den Straßenrändern taut. Ungewöhnlich präsentiert sich auch der Rest des Albums. Nämlich ungewöhnlich gut, besonders vor dem Hintergrund, dass dies das allererste Werk des Trios ist.
Schon vom ersten Klang des akustischen Intros L’envol des corbeaux erschaffen die Geheimnisvollen eine mystisch-herbstliche Atmosphäre, die sich noch durch das ganze Album hindurch ziehen soll. Das Intro fließt unterbrechungslos in den ersten richtigen Song L’échappée über, der dann auch gleich das gesamte Können der Band präsentiert. Eine Mischung aus folkigen Elementen, ein wenig Post-Rock und Post-Punk bahnt sich ihren Weg aus den Kopfhörern, die Gitarren schweben, dann der charismatische Gesang von Fursy. Ein kurze Pause entsteht, das Lied baut sich erneut auf, mehrere Gitarrenspuren liegen übereinander, erstellen die Shoegaze- und Post-Rock typische Wall-of-Sound, erst eine Gitarre und Bass, dann wird es mehr, schließlich die Stimme Fursys, über allem thronend, der graue Himmel scheint zum Greifen nah.
Eine herbstliche Klanglandschaft, melancholisch, aber ebenso hoffnungsvoll, beinahe romantisch. Vergleiche zu Katatonia in ihrer Viva Emptiness Phase, vielleicht auch zu Agalloch oder Ulver’s Bergtatt liegen nahe, dennoch gehen Les Discrets konsequent ihren eigenen Weg, haben sich bereits mit ihrem Erstlingswerk eine eigene Nische geschaffen, eine Nische, in der auch ich mich als Hörer sehr wohl fühle.
Das Album ist sehr konsistent, Fehlgriffe gibt es nahezu keine und trotz der verschiedensten Einflüsse verkommt das Ganze keineswegs zu oberflächlichem Flickwerk. Bei allem Lob gibt es allerdings doch etwas zu Bemängeln. Einige der Songs hätte ich mir etwas länger gewünscht, gerade der sanfte Titeltrack Septembre Et Ses Dernières Pensées fällt mit zweieinhalb Minuten leider etwas kurz aus und wird der Chance beraubt sich richtig entfalten zu können. Das nächste Mal darf es gern auch etwas mehr sein.
Bleiben nur noch die abschliessenden Worte. Les Discrets legen mit diesem Album ein großartiges Debüt hin, dass den Hörer klanglich auf eine Reise durch einen herbstlichen Wald nimmt (ja, das mag ein Klischee sein, ihr könnt mich aber mal sonstwo …) und viel zu entdecken bietet. Für mich ganz klar eine der frühen positiven Überraschungen dieses Jahres.
Anspieltipps: L’échappée, Song for Mountains, Chanson d’automne
PS: Schaut euch auch mal auf Fursys Homepage um, seine Zeichnungen und Kurzfilme sind wirklich gut. =)
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