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A different view on reality

»Die Politik in Deutschland wird immer satirischer, also wird die Satire immer politischer.« — Martin Sonneborn

Agora – Eine Frau zwischen den Fronten

Posted on | März 17, 2010 | 2 Comments

Vor fünf Tagen, am 11. März 2010 kam ein Film in die Deutschen Kinos, der irgendwie kaum Beachtung findet. Während Tim Burton’s Alice im Wunderland hochgepriesen wurde und immer noch die Ausläufer des Avatar-Hypes zu spüren sind, geht dieser epische Film schier unter im Gewirr von Filmen.
Sicherlich, Tim Burton-Filme sind selten schlecht, und haben oft einen gesellschaftskritischen Inhalt, doch das Problem ist, dass dies kleine Dinge in unserem Alltag darstellen, die uns selbst nicht einmal so offensichtlich schaden. Doch in Agora – Die Säulen des Himmels geht es um wesentlich mehr als Ausgrenzung, Diskriminierung und Gruppenzwang.

AgoraIn Agora – Die Säulen des Himmels wird das Leben der Hypatia von Alexandria beleuchtet. Er spielt etwa um 400 n. Chr. in eben jener Stadt am Nil, als gerade die ersten Ausläufer der christlichen Religion dort ankommen.

Die Christen und die Verehrer der altägyptischen Götter stehen sich auf dem Platz vor der Agora in Alexandrien gegenüber und versuchen, die Religion des jeweils anderen zu widerlegen. Dabei gehen die Christen beim Beweis ihrer Überlegenheit sehr brutal vor und werfen gar den heidnischen Prediger in die Flammen.

Gleichzeitig unterrichtet Hypatia eine Reihe von Schülern in der Philosophie. Heute würde man das, was sie lehrte, eher unter die Fächer Philosophie und Astrophysik einordnen. Dann kommt ein Tag, an dem die Christen ein Bildnis einer heidnischen Gottheit wie einen schlechten Musiker mit Tomaten und fauligen Eiern bewerfen. So versucht der spätere Bischof Kyrill von Alexandrien zu beweisen, dass diese heidnischen Gottheiten nicht existieren. Daraufhin greifen die Heiden die Christen an und in einem langen Gemetzel schlagen die Christen die Heiden zurück und drängen sie in die Agora. Tage später bestimmte der damalige Römische Kaiser Augustus, dass die Agora ab sofort den Christen gehöre. Daraufhin wird die Bibliothek von Alexandrien gestürmt und sämtliche nicht geretteten Papyri werden vernichtet.

Jahre später ist einer ihrer Schüler Bischof von Kyrene geworden, ein weiterer Präfekt von Alexandrien. Die Christen, welche auffällig schwarz angekleidet sind, wurden immer mehr und beginnen nun langsam damit, auch andere Religionen, wie das Judentum zu vernichten. Doch als auch die Juden zurückschlagen werden die Christen erneut handgreiflich und metzeln so lange Juden nieder, bis diese die Stadt unter Legionsschutz verlassen müssen.

Doch Hypatia lehrt weiter an ihrer Schule, trotz der Radikalisierung der gesamten Bevölkerung, was ihr dann zum Verhängnis wird. Während sie immer mehr versucht, dem Rätsel der Planetenbewegung auf die Spur zu kommen, angestoßen durch eine Äußerung von Darius, einem ihrer früheren Sklaven und späteren Verräter, verschwört sich Bischof Kyrill von Alexandrien gegen den Präfekten und versucht, ihn dadurch zu besiegen, indem er Hypatia unter seine Kontrolle bringt. Das schafft er durch ein Zitat aus der Bibel, welches er verdreht, um Hypatia der Hexerei anzuzeigen.
Nachdem der ehemalige Schüler Hypatias immer mehr eingeengt wird, erklärt er ihr, dass er sie nicht weiter schützen könne. Daraufhin verlässt Hypatia das Gebäude ohne Geleitschutz und wird von Christen gefangen genommen, welche sie in die ehemalige Bibliothek von Alexandrien führen und sie dort steinigen.

Soweit etwas mehr zum Inhalt. Doch was ich an dem Film sehr empfehlen kann, ist, dass er relativ schonungslos zeigt, wie Ideologisierung und Fanatisierung der Bevölkerung – egal zu welcher Religion – über Gewalt bis zur vollständigen Kontrolle über die Menschen führt. So gelingt es den Religionsführern des Heidentums, des Judentums und besonders gut auch dem des Christentums, viele Menschen für ihre Sache zu gewinnen und so mit einer relativ großen Zahl an Menschen jeweils die andere Religion anzugreifen.

Was auffällig ist, bei diesen ganzen Religionsstreitigkeiten, dass das Christentum weitaus mehr “Fehler” begeht, als Heidentum und Judentum. Der Regisseur, Alejandro Amenábar – ein Spanier, scheint hier das Christentum mehr in die Schuld zu nehmen als das Heidentum und das Judentum. Einerseits dürfte das passiert sein, da es wesentlich “politisch korrekter” ist, das Christentum mehr zu belasten, als – besonders z.B. – das Judentum, andererseits, weil er sich vielleicht stellvertretend für seine Religion (bzw. die hauptsächliche Religion in Spanien – Katholizismus) schämt. Denn in der Vergangenheit hat sich das Christentum nicht unbedingt einen guten Ruf eingeräumt: “Hexenverbrennungen, Inquisition, Kreuzzüge – Wir wissen wie man feiert. Ihre Kirche” ist nicht umsonst ein ziemlich schwarzer Witz in diesem Zusammenhang geworden.

Doch abgesehen davon, dass man das Christentum mehr belastet als die anderen Religion, ist anzumerken, dass dieser Film seine extreme Religionskritik und damit auch seine gesellschaftliche Kritik, die auch auf die heutige Zeit übertragbar ist, stark in metaphorischer und ellipsenhaltiger Sprache verpackt. So erscheinen Vertreter des Heidentums, welche schließlich die Bibliothek von Alexandria, und damit wertvolles Wissen, ehrten und es mehrten, grundsätzlich in schneeweißen Gewändern, die Juden, welche mehr eine Nebenrolle einnehmen, in schlichtem, neutralem Grau und die Christen grundsätzlich in Schwarz. Ebenso auffällig ist die sinkende Pracht der Gewänder vom Heidentum über Judentum bis zu den Christen.
Und die Protagonistin läuft grundsätzlich in einem Bordeauxroten Kleid durch den Film. Ebenso metaphorisch sind die Kameraführungen, welche immer passend zum Kontext den “Blick Gottes” zeichnen könnten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Filmes ist die Hyperbel und die Ellipse. Diese beiden Begriffe, welche einerseits zur Beschreibung von Planetenbahnen (also das Hauptproblem im Film von Hypatia) aber andererseits auch zur Beschreibung Axiomähnlicher Sätze dienen, fallen recht oft in unterschiedlichen Zusammenhängen, aber genauso blind, wie die religiösen Fundamentalisten gegenüber ellipsoiden Planetenbahnen sind, so resistent zeigen sie sich gegenüber Ellipsen, welche ihnen eigentlich ihren eigenen Fanatismus vor Augen führen sollen.

Viel in dem Film ist stark durchdacht, es werden viele auch unbekannte, neue Mittel der Kameraführung und Visualisierung eingesetzt, die Elemente passen alle ineinander und jede Szene kann metaphorisch gedeutet werden. Alles in allem ist der Film ein Komplettpaket; sowohl Historiker, als auch Philosophen und Theologen dürften mit diesem Film rundum glücklich sein.

Als Fazit bleibt mir also nur zu sagen, dass dieser Film verdammt empfehlenswert ist und verdammt gut gemacht ist. Und wem die Intention verschlossen bleibt, für den hat dieser Film immerhin noch eine verdammt schöne Kulisse und tolle Grafiken – inklusive einem perfekten Drama. Absolutes Muss! :)

Comments

2 Responses to “Agora – Eine Frau zwischen den Fronten”

  1. Bilzebub
    März 31st, 2010 @ 22:22

    “Was auffällig ist, bei diesen ganzen Religionsstreitigkeiten, dass das Christentum weitaus mehr “Fehler” begeht, als Heidentum und Judentum. Der Regisseur, Alejandro Amenábar – ein Spanier, scheint hier das Christentum mehr in die Schuld zu nehmen als das Heidentum und das Judentum. Einerseits dürfte das passiert sein, da es wesentlich “politisch korrekter” ist, das Christentum mehr zu belasten, als – besonders z.B. – das Judentum, andererseits, [...]”

    Wieso sollte es politisch korrekt sein irgendeine Religion in irgendeiner Form zu verurteilen, oder zu belasten?
    Es herrscht Religionsfreheit und außerdem: Jede Religion hat ihre Kritikpunkte und in der Geschichte jeder Religion lassen sich schlimme Ereignisse festmachen. Vielleicht liegt dein persönlicher Fokus auch nur auf dem Christentum,weil du vielleicht selbst ein Christ bist?

    “weil er sich vielleicht stellvertretend für seine Religion (bzw. die hauptsächliche Religion in Spanien – Katholizismus) schämt. Denn in der Vergangenheit hat sich das Christentum nicht unbedingt einen guten Ruf eingeräumt: “Hexenverbrennungen, Inquisition, Kreuzzüge – Wir wissen wie man feiert. Ihre Kirche” ist nicht umsonst ein ziemlich schwarzer Witz in diesem Zusammenhang geworden.”

    Was der Regisseur audrücken will ist reine Spekulation und zu dem Rest: Siehe oben.

    Du hast Dir zwar offenbar Mühe gegeben,jedoch finde ich,dass du sowohl deine Schreibfertigkeiten,als auch deine fachlichen Kompetenzen verbessern solltest,bevor du irgendetwas bloggst. Der andere Autor auf diesem Blog weißt immer äußerst fundiertes,fachliches Wissen auf und verpackt seine Inhalte durch seine guten Schreibfertigkeiten in einer angenehmen Sprache. An beidem solltest du noch arbeiten. Nimm ihn Dir mal als Mentor.

    Hm. Und allg. ist die Bewertung anderer Filme in diesem Kontext sehr missverständlich. Sonst aber alles Okay. Oben drauf noch Sahne.

  2. Hendrik Erz
    April 4th, 2010 @ 11:54

    “Wieso sollte es politisch korrekt sein irgendeine Religion in irgendeiner Form zu verurteilen, oder zu belasten?
    Es herrscht Religionsfreheit und außerdem: Jede Religion hat ihre Kritikpunkte und in der Geschichte jeder Religion lassen sich schlimme Ereignisse festmachen. Vielleicht liegt dein persönlicher Fokus auch nur auf dem Christentum,weil du vielleicht selbst ein Christ bist?”

    Das Problem ist, dass das Christentum allgemein in der Welt nicht so angesehen ist wie das Judentum oder Heidentum. Korrekt: Alle Religionen haben mindestens genausoviel Dreck am Stecken, wie das Christentum, aber das Problem ist, dass zumindest in der westlichen Welt immer wieder das Christentum als “schlechter” als die anderen Religionen dargestellt wurde. Außerdem reagieren andere Religionen meist offensiver auf Kritik, als das Christentum, zu sehen z.B. an den Mohammed-Karikaturen. Hitler und der Pakt der katholischen Kirche mit den Nazis hat das Christentum besonders gegenüber den Juden auch sehr in Verruf gebracht und ich denke, das Judentum genauso schlecht darzustellen, wie das Christentum, würde einigen wichtigen Persönlichkeiten übel aufstoßen. Vergiss bitte nicht, dass man in der Öffentlichkeit, je berühmter man ist, um umso mehr “Friede Freude Eierkuchen” bemüht ist.
    Ein erbitterter Feind des Christentums würde das sicherlich nicht so herüberkommen lassen, wenn er in Hollywood ziemlich weit oben ist.

    Ich möchte hier auch auf einen Artikel verweisen, den ich einmal (auf Englisch) in einem anderen Blog über Avatar gelesen habe. Ich denke, die Kernaussage dieses Artikels lässt sich eins zu eins auf die Religionsproblematik rund ums Christentum übertragen:

    http://io9.com/5422666/when-will-white-people-stop-making-movies-like-avatar

    Und den Fokus lege ich nicht aufs Christentum, da ich, besonders, wenn ich merke, dass hier Dinge verglichen werden, mich um möglichst viel Objektivität bemühe. Und: Mit dem Christentum habe ich nicht viel mehr als den formalen Aspekt “römisch katholisch” im Pass gemeinsam ;)

    Ad Wissen/fachliche Kompetenz:

    Die besitze ich ebenso, mein Problem (welches ich in einem anderen Kommentar bereits angesprochen habe) ist, dass ich die nur zu selten anwende. Ich erzähle gerne Geschichten und begründe die nur selten. Auf Nachfrage kann ich das zwar, aber eben nicht auf Anhieb. Das ist ein Kritikpunkt, aber den werde ich mir zu Herzen nehmen. :)

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