Osama, die Sau(,) ist tot!
Ich glaube, ich mach das mal zum Trend, einmal im Monat hier zu schreiben. :)
Osama Bin Laden, der Ketzer des Weltfriedens, Peiniger der Unschuldigen, Feind der Gerechten und Kopf von Al Quaida ist tot. In einer Kommandoaktion vergangene Woche wurde er in seinem streng bewachten Anwesen von US-Marines erschossen und kurze Zeit später auf See beerdigt. Aber – What happens next?
Was sich in den Stunden nach dem Bekanntwerden seines Ablebens und auch noch Tage später zugetragen hat, und was sich noch monatelang zutragen wird, ist ein Fest für jeden (Mis-)Anthropologen: Da gibt es einmal die normalen Menschen in aller Herren Länder, die auf die Straße gingen, feierten, weil der größte Feind der westlichen Welt tot war. Dann gibt es die Regierenden aus aller Welt, die sich dabei beinahe überschlugen, Barack Obama zu beglückwünschen für den Mordsfang.
Und dann gibt es eben die, die das ganze nicht so locker nehmen: Verschwörungstheoretiker auf der ganzen Welt nutzen jede Ungereimtheit, um die USA erneut als Schurkenstaat darzustellen; warum gibt es noch keine Bilder vom toten Osama Bin Laden? Warum wurde er auf See bestattet und warum gibt es außer von den Amerikanern noch keinerlei Bestätigung? Selbst Pakistan, wo er sich aufhielt, ist noch mehr verwirrt als bestimmt, was diese Situation angeht. Für Verschwörungstheoretiker ein wahres Fest, die Legendenbildung hat laut Spiegel bereits begonnen und fest steht, dass Osama Bin Laden als ein Märtyrer im Islam fortleben wird.
Also doch nicht alles Blümchen?
Nein. Der Tod Osama Bin Ladens kann als das Ende eines Kapitels Menschheitsgeschichte gesehen werden, aber keinesfalls als Ende jeder Gewalt. Vielleicht eher als Anfang der Gewalt. Denn: Das Abschlagen eines Kopfes einer “Hydra” (Spiegel) führt im mythologischen Sinne zwangsläufig dazu, dass zwei Köpfe nachwachsen. Denn was war denn Osama Bin Laden in den letzten Jahren? Sicherlich nicht mehr führender Kopf von Al Quadia. Auf dem Papier war er vielleicht noch der Gründer der Organisation, aber die Anschläge planten doch längst andere. Und selbst wenn er noch geplant hat, wird er sicher nicht so dumm wie einst ein Österreicher gewesen sein, und sämtliche Organe von sich abhängig gemacht haben. Osama Bin Ladens Ziel war der endlose Krieg gegen die “Ungläubigen” im Westen, und für einen Krieg, bei dem man ein Ziel verfolgt, dass definitiv nicht binnen einer einzigen Lebensspanne erreicht werden kann, muss man den Krieg eben so anlegen, dass man einen langen Atem behält.
Was jetzt vermutlich kurzfristig folgen wird, nach den Diskussionen über Recht und Unrecht dieser Aktion, wird wohl die große Ernüchterung sein, dass sich eben nichts geändert hat. Der bekannte Killer wird jetzt zu jemand unbekanntem. Bin Laden hat Al Quaida ein Gesicht gegeben. Der gesamte Westen war doch zu 80% seiner Zeit nur hinter Bin Laden her, nicht hinter Al Quadia im Ganzen. Denn es ist immer einfacher, ein krankes Organ zu ersetzen, als den ganzen Körper nach Tumorzellen abzusuchen. Somit konnte sich Al Quaida – relativ sicher – auf die ganze Welt ausbreiten. Wer weiß denn schon genau, in welchen Ländern mittlerweile überall Quaida-Zellen sitzen?
Die USA haben im Prinzip falsch herum angefangen, Al Quaida aufzulösen. Anstatt die Basis (Vorsicht, Wortspiel!) zuerst anzugreifen und nach oben hin aufzurollen, fing man beim einzig Greifbaren an und muss sich jetzt in einem undurchsichtigen Labyrinth aus Tunneln nach unten durchgraben.
Und was lernen wir daraus? Das Ermorden eines Terroristen-Oberhauptes dient einzig und allein dem Wahlsieg und ist nicht einmal im Geringsten etwas, wovon das Volk profitiert.