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A different view on reality

»Die Politik in Deutschland wird immer satirischer, also wird die Satire immer politischer.« — Martin Sonneborn

[ B O L T ]

Posted on | November 9, 2011 | Kommentare deaktiviert

[ B O L T ] -

1.) [ 0 8 ] – 04:53
2.) [ 0 1 ] – 11:45
3.) [ 0 7 ] – 09:36
4.) [ 0 4 ] – 12:58
5.) [ 0 5 ] – 11:59

[ B O L T ] auf Bandcamp

 

 

 

 

[ 0 8 ]

Ein Laubwald, irgendwo in Deutschland. Es ist Sommer, ein warmer Tag. Das Laub der Bäume rauscht im Wind, Vögel zwitschern. Man schweift mit den Gedanken ab, bewegt sich in diesem Wald. Dann, plötzlich: Ein merkwürdig mechanisch klingendes Geräusch – und eine Gitarre setzt ein, ihr metallischer Klang zerstört dieses Bild. Auf einmal wirkt der Wald, wie er nicht wirken sollte: Kalt und leer. Als dann noch ein verzerrter Bass einsetzt, ist das Klangbild perfekt.

So in etwa beginnt das Album “-” von [ B O L T ], der Band ohne Namen. Die Band, deren Name eigentlich eher aussieht wie ein Zensiert-Streifen aus dem Fernsehen. Doch wer ist das? Wer steckt hinter dem Zensiertstreifen? [ B O L T ] ist eine Band, bestehend aus zwei Bassisten mitten aus dem Ruhrpott – aus Bochum, genauer gesagt. Und sie machen Drone. Ganz viel Drone. Zwar nicht so viel, wie Sunn O))), aber es reicht für die Atmosphäre. Die düstere, mechanische Musik, die klingt wie eine Höllenmaschine bei der Arbeit, erfüllt jedenfalls vollendst ihren Zweck.

[ 0 1 ]

Ich muss zugeben: Leicht ist diese Musik nicht. Ganz und gar nicht. Im Gegenteil – ich denke, dass sie eher im Erbe von The Angelic Process steht, einer wundervollen Drone-Band, bestehend aus auch nur zwei Personen (Sogar ein Ehepaar – ach, wie romantisch :), deren volle Wirkung sich erst entfaltete, wenn man seinen Raum in einen Tempel verwandelt hatte: Abends, ein paar Kerzen im Raum verteilt, Räucherstäbchen und eine Kanne mit dampfendem, grünen Tee. Und dazu: The Angelic Process. Leider verstarb er bereits nach kurzer musikalischer Tätigkeit und ich bin der Überzeugung, dass dieses Projekt noch weitaus stärker geworden wäre mit ihm. Doch ich schweife ab.

Während sich der Rhythmus der Musik langsam, wie ein verletztes Tier durch den schmutzigen, abstrakten Wald zerrt, an allen Bäumen Blutspuren hinterlassend, entfaltet sich immer mehr Kraft aus der Musik. Gegen Ende des Parts dann setzt ein ungewohnt schneller Bass ein, der der Atmosphäre das Bedrohliche etwas nimmt und durch etwas eher “sanfteres” ersetzt. Aufatmen im Wald. Eine Verschnaufpause.

[ 0 7 ]

Szenenwechsel. Ein Raum. Metallische Wände, grünliches Licht. Beinahe wie in einem Horrorfilm. Auch aufgrund des Covers ist das vermutlich nicht ganz die Intention der beiden, doch der dritte Part der EP begrüßt mich quasi in einem Versuchskomplex der Umbrella Corporation. Langsam arbeitet sich das verletzte Wesen weiter vorwärts, versucht, einfach nur noch hier heraus zu kommen. Ein Albtraum.

Kennt ihr Amnesia: The Dark Descent? Oder die Penumbra-Serie? Dafür wäre “-” ein wunderbarer Soundtrack. Man erhält keinerlei Informationen. Steckt einfach nur mitten in einem unheimlichen, gruseligen Komplex, Angst beherrscht alles. Man weiß nicht, was hinter der nächsten Ecke lauert und will einfach nur noch rennen. Raus hier.

[ 0 4 ]

Und schon wieder ein Szenenwechsel. Diesmal ist das Ganze weitaus weniger bedrohlich, quasi viel mehr Ambient, als Drone. Dennoch erinnert auch dieser Teil von “-” an die ersten drei Parts. Das liegt zum einen an der immer noch gleich gebliebenen Grundstimmung, andererseits daran, dass uns auch hier wieder der mechanisch-verzerrte Bass begrüßt. Bis hierhin ist das ganze Album eine Freude für Menschen, die sich für tiefe Musik interessieren. Doch die ersten drei Titel waren noch gar nichts – im Vergleich zu dem, was hier noch kommt.

Während [ 0 8 ] ein sehr schönes Intro darstellt, muss ich jetzt, nach dem x-ten Mal Hören, eindeutig sagen, dass [ 0 1 ] und [ 0 7 ] nur Zwischenstücke sind. Auch wenn auch diese Parts ihren Zweck erfüllen, so reichen sie nicht an [ 0 4 ] und den letzten Part heran, die dem Album seine wirkliche Stärke geben.

[ 0 5 ]

Und hier kommt es: Der Teil des Albums, auf den ich mich immer öfter am meisten freue. Nicht, wegen der ersten 8 Minuten, die auch hier wieder sich ins Konzept des Albums einbinden und die Stimmung von [ 0 4 ] gut beibehalten. Nein, sondern wegen des wundervollsten Outros, das man hinter so eine EP hätte packen können. Ein leichtfüßiges Klavier, dazu kehrt endlich das Vogelzwitschern zurück, man sieht das Tageslicht, man ist endlich heraus aus dem dunklen Teil des Waldes, dem Versuchskomplex, den grünen Räumen und sieht den Himmel wieder. Man freut sich. Man lächelt. Und möchte am besten sofort anfangen, zu weinen, so schön ist dieses Outro :)

Doch ich werde sentimental. Nach viel zu vielen Worten (Die, zur besseren Erklärung, alle in Echtzeit mit dem Hören der EP geschrieben wurden) braucht es auch noch ein Fazit, um zu einem guten Review zu werden.

[ - ]

Die EP ohne Namen von der Band ohne Namen bleibt irgendwie auch ohne abschließende Worte. Da es Ambient/Drone ist, wirkt das Ganze wie eine Pille: Nachdem sie geschluckt ist, braucht sie ihre Zeit, um zu wirken. Das Album ist eine Einheit durch und durch. Vielleicht noch ein wenig leer, ein wenig unspektakulär, und man hätte besonders aus dem 2. und 3. Part noch viel mehr machen können, aber: Für eine erste EP einer Band, die im Prinzip viel mit Hilfsmitteln arbeiten muss, ist es schon hoch professionell. Nicht zu vergessen ist der kreativen Aspekt: Vollkommen ohne Bandnamen, volle Konzentration auf die Musik und dabei sogar der völlige Verzicht auf Schlagzeug und Perkussion – etwas Neues aus lauter bekannten Variablen.

Doch, [ B O L T ] haben großes Potenzial, es zu was zu bringen. Ich bleibe weiterhin gespannt auf das, was die Herren aus Bochum weiterhin bringen werden! Wer sich übrigens diese EP einmal in voller Länge und bester Qualität anhören möchte, dem sei die Bandcamp-Seite der Jungs ans Herz gelegt.

Very [ B O L T ], this shit!

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