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A different view on reality

Von Gesichtsbüchern und Pusteblumen

Posted on | Januar 27, 2012 | No Comments

Martin Sonneborn hat einmal in einem sehr interessanten Interview einen kurzen, kleinen Satz gesagt: “Die Politik in Deutschland wird immer satirischer, deswegen wird die Satire immer politischer.” Was er damit vielleicht alles ausgedrückt haben könnte, will ich hier nicht spekulieren, nur eines möchte ich sagen: Mich dünkt, er hatte recht.

Einige von euch kennen vielleicht den Postillon – das ist eine satirische Zeitschrift, die aktuelle Entwicklungen nutzt, sie dreifach durch den Kakao zieht und danach an der Sonne trocknen lässt. So kommen beispielsweise Artikel heraus wie: “Hühnerauge erfolgreich vom linken in den rechten Fuß transplantiert!” Stefan Sichermann (Autor des Postillon) hat sich nun die beiden Ankündigungen von Google(+) und Facebook (“Wir wollen noch ‘n paar mehr Daten, okay?”) und die daraus resultierenden Userwanderungen zum Vorbild für einen weiteren Artikel genommen. Denn: Es gibt theoretisch nur zwei Marktführer: Google mit Plus und Facebook mit Like – und da soziale Netzwerke darauf aufbauen, dass man sich mit Menschen austauscht, macht es keinen Sinn, die einzige Seele auf einem Netzwerk zu sein. Wohin also fliehen? Richtig: Zur Konkurrenz (die mit den Daten genau das gleiche macht). Das ist ganz schlichte Massendynamik.

Sichermann entfernt sich dann aber kurz von der Satire, indem er – gar nicht mal so ironisch – fragt, warum sich die Masse nicht einfach mal kollektiv sagt: “Warum gehen wir nicht einfach zu einem Drittanbieter?” – und Sichermann bietet gleich Ersatz an: Diaspora*

Diaspora* ist ein soziales Netzwerk, das sich seit 2010 in der Entwicklung befindet und daher noch relativ neu und in der Alpha-Phase befindlich ist (also eine Vor-Vor-Vor-Version quasi). Was ist nun der Vorteil an Diaspora* und warum ist es durchaus eine Option, zu Diaspora* zu wechseln?

Nun, zuallererst ist Diaspora* nicht an ein einziges Unternehmen gebunden, d.h. es ist eine freie Software, die sich jedermann auf einen Server aufspielen kann, und dann am Projekt teilnimmt. Es gibt mittlerweile schon viele solcher Server, die mit verschiedenen Daten, wie dem Serverstandort etc. auch auf der Hauptseite aufgelistet sind. Diese Server heißen Pods, und das ist das Neue an Diaspora*: Die eigenen, persönlichen Daten (Von denen es übrigens noch viel weniger gibt als bei Facebook) liegen nur auf dem jeweiligen Pod/Server, d.h. wenn der Server z.B. in Deutschland steht, fällt er auch unter deutsche Jurisdiktion und darf dementsprechend z.B. keinen Schabernack damit treiben. Außerdem werden die Informationen von der Software nur an andere Server weitergegeben, wenn man das ausdrücklich erlaubt.

Die Vorteile dabei liegen auf der Hand: Eine viel größere Verfügbarkeit, Dezentralisation und quasi das Prinzip des Freien Webs auf Social Networks übertragen. Wer sich noch etwas genauer informieren möchte, dem sei das deutschsprachige Tutorialvideo von Dennispager empfohlen. Übrigens: Der Stern am Ende von Diaspora* soll für eine Pusteblume stehen, also quasi das Markenzeichen von Diaspora.

Doch jetzt kommt die Pointe, bei der ich zurück auf Martin Sonneborns Zitat kommen möchte: Der Postillon, als eine satirische Webseite, hat es geschafft, eine durchaus beachtliche Anzahl neuer User auf Diaspora* zu bekommen, was meiner Meinung nach ein schöner Beweis dafür ist, dass Satire durchaus sehr politisch werden kann oder zumindest das Zeug dazu hat. Wie gesagt – irgendwann werden wir einen GröVaZ im Bundestag haben!

Ich persönlich empfehle zumindest einmal, einen Blick auf Diaspora zu werfen, es sieht vielleicht noch nicht ganz so schön aus, aber es taugt was!

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    "Ich finde, du hast gar nicht mal so extrem übertrieben mit deinem Artikel. Er ist sehr gut gelungen und er regt wirklich zum Nachdenken an."


    "[...] Und ich muss meinen Hut vor dir ziehn, ich lese deinen blog echt gern. Schreiben kannst du wirklich exeptional."