Nachtrag zu “Cloud Atlas oder: Warum wir weitermachen”
Mir kam zu Ohren, dass eine Person, die meinen Artikel zu Cloud Atlas gelesen hat, sinngemäß gesagt hat, dass man die philosophischen Schlussfolgerungen aus Cloud Atlas prinzipiell auch von “anderswo” herholen könnte. Ich möchte mich einerseits für dieses Feedback bedanken und gleich im Anschluss sagen: sie hat recht.
Man hätte diese ganzen Schlussfolgerungen auch woanders hernehmen können. Wer ihn noch nicht kennt, sollte sich natürlich in “Vorbereitung” auf das Folgende den Artikel einmal durchlesen.
Jetzt ist natürlich die Frage: was macht man damit? Natürlich hätte mir diese Erkenntnis auch im Schlaf kommen können, wie einst August Kekulé die Strukturformel des Benzols in Form einer Ouroboros. Das ist allerdings nicht passiert. Jetzt möchte ich hier darlegen, wie falsch die Aussage bei gleichzeitiger Richtigkeit ist, da sie den Geist daran hindert, “gedankenlos” irgendwelche Filme für Ideen zu nutzen, sondern dazu zwingt, erst dann eine Erkenntnis wie die meine niederzuschreiben, wenn man diese generalisiert hat.
Dadurch, dass ich den Artikel direkt nach Ansehen des Filmes Cloud Atlas geschrieben habe, habe ich natürlich eben nicht generalisiert. Ich habe einfach das naheliegendste Bild genutzt, um diese Erkenntnis zu erzählen. Ich habe das Schreiben des Artikels für mich einfach als “richtig” definiert, weil ich nämlich bei einer unentschiedenen Bewertung zwischen “richtig” und “falsch” genau das getan hätte: nichts. Relativismus. Handlungen werden redundant, weil man als Mensch dazu neigt, bei der Chance auf einen Fehlschlag lieber nichts zu tun und abzuwarten.
Das kann man sehr schön an Platons Höhlengleichnis sehen. Daran musste ich direkt denken, als mir das zu Ohren kam. Hätte Platon im Jahre 2012 das Höhlengleichnis aufgestellt, hätte es vermutlich etwas anders gelautet: Menschen, die ihr Leben lang nur Bilder von fremden Orten an ihren Computern sehen aber von finanziellen Fesseln im grauen Deutschland gehalten werden, haben endlich die Möglichkeit, an fremde Orte zu gehen. Dort fühlen sie sich aber unwohl und wollen wieder zurück – aber sobald sie sich an das Reisen gewöhnt haben, wollen sie gar nicht mehr zurück nach Deutschland. Oder noch ganz anders. Es ist nur ein bildliches, greifbares Beispiel für eine höhere Erkenntnis.
Und genau darum ist die Aussage, dass man eine Erkenntnis nicht unbedingt aus einem bestimmten Film ziehen muss, zwar absolut richtig, aber gleichzeitig absolut falsch, weil sie in ihrer logischen Konsequenz einen Relativismus hat, den man ja gerade vermeiden sollte, wenn nicht alles Handeln zu Nonsens verkommen soll und man den Sinn seines Lebens verlieren möchte. Es ist dieser schmale Grat zwischen Relativismus und bedenkenlosem Handeln, der gehalten werden muss, wenn man nicht verrückt oder schädlich (für sich und andere) werden will.
Diese Aussage ist der erste Schritt dazu, seine eigene Identität zu verlieren, weil man sich de facto auch ein Stück weit einfach über eine Hybris definieren muss (“Ich finde Umweltschutz richtig und Krieg falsch”), um Dinge einfach zu tun, obwohl man nicht absolut sagen kann, ob es gut oder schlecht ist.

