Ärger im Bundestag – Der Krieg Westerwelle vs. Merkel
Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich gestandene, erwachsene Menschen kindisch benehmen können. Wo kurz nach dem 27. September 2009 noch die Euphorie nach der gewonnenen Wahl überwiegt und die FDP seine 14% postuliert, schon am Koalitionsvertrag gewerkelt wird und alles “Friede, Freude, Eierkuchen” war, so herrscht jetzt Krieg im Bundestag. Fast jeden Tag nun schon gibt es neue Meldungen, dass sich FDP und CDU miteinander verhakt haben. Und während Merkel ihre Minister, wie z.B. Schäuble, immer wieder das Konzept der Union in die Medien tragen lässt, greift die FDP an, und die CDU geht in Stellungskrieg über.
Niemand weiß mehr vor noch zurück. Die FDP erwacht langsam aus ihrem langen Traum vom Wahlsieg und muss feststellen, dass Merkel ihnen eine Karte nach der anderen stiehlt, und die gesamten Wahlversprechen der FDP in Luft aufgehen lässt. Wie eine Bombe schlägt die Strategie ein – die FDP verliert stetig an Umfragewerten. Und frei nach dem Motto “Angriff ist die beste Verteidigung” versucht es die FDP nun mit zwei Dingen: Einerseits werden Wahlkampfthemen der CDU (siehe Thema Steinbach) attackiert und sich dabei selbst profiliert, andererseits wird gewettert und geschimpft. Die FDP hetzt über den Koalitionspartner her wie nie zuvor, fährt ihre Klauen aus und geht aggressiv vor.
Und was macht der Rest? Während die halbe FDP mithilft, Westerwelle zu unterstützen bei seiner Hetze gegen die CDU, verbarrikadieren sich die CDU-Abgeordneten und warten ab. Merkel soll helfen und ihren eigenen kleinen Staat aus der Krise lenken. Um unsachlich zu werden: Merkel scheint sich in der DDR etwas mit autoritären Systemen angefreundet zu haben, hat dies nun auf die Union übertragen und versucht nun, dieses System auf zuerst SPD und jetzt auf die FDP auszuweiten.
Was auch immer Merkel dort fabriziert, es wirkt beinahe wie ein Bürgerkrieg im Parlament. Zumindest auf mich wirken die täglichen Meldungen über den Koalitionskrach verstörend – warum zerfleischt sich eine Koalition gegenseitig, anstatt zusammen für den Staat zu arbeiten? Kommt hier die hässliche Fratze der Politik ans Licht? Das ewige Streben nach eigenem Erfolg, wo Staat und Bürger zur Nebensache verkommen? Wie dem auch sei, zuträglich für das Land ist es nicht. Die Bundestagswahl ist nun schon seit knapp anderthalb Monaten vorbei und immer noch ist nicht einmal ansatzweise eine Art von Gesetz in der Aussprache, immer noch wird diskutiert, lamentiert, sich widersprochen und Panik betrieben.
Siehe Steinbach. Erika Steinbach, ihres Zeichens CDU-Politikerin, soll vom Bund der Vertriebenen (BdV) nun ausgesandt werden in den Rat der Stiftung “Flucht, Vertreibung, Versöhnung”. Es gibt nur zwei Probleme: Erstens ist sie besonders auch in Polen sehr unbeliebt, und andererseits hat die FDP genau deshalb etwas dagegen. Die FDP blockiert die Versetzung unter dem Vorwurf der Unbeliebtheit und der Einzelinteressenverfolgung von Frau Steinbach. Die CDU hält sich zurück und wartet auf eine Reaktion von Merkel, Westerwelle nutzt das aus und wettert über Frau Steinbach. Nur Frau Steinbach wehrt sich und kontert gegen Westerwelle unter dem Vorwurf der Profilierung. Kindergartenkrieg im Parlament. As I said.
Aber – um das ganze etwas abzuflauen, ich möchte hier keine Panik verbreiten, hier noch eine sehr gute Sache bezüglich des stark umstrittenen Swift-Abkommens. Zur Erinnerung: Swift ist ein europäischer Finanzdienstleister und verwaltet Kundendaten auf seinen Servern, u.A. in den USA. Und nun soll ein Server nach Europa verlegt werden. Das versuchten die USA natürlich zu verhindern, da sie sich bereits seit 9/11 fleißig an den Daten der Kunden bedienen. Ob Swift also den Server nur wegen des Datenschutzes gegenüber den USA oder aus eigenen (finanziellen) Interessen umher schiebt, ist unklar. Fest steht, dass er nach Europa kommen wird, und die USA prompt in der EU ein Gesetz auf den Weg brachten, damit sie weiterhin an die Daten aus den Swift-Servern kommen. Am 30.11.09 sollte ursprünglich darüber verhandelt werden, genau einen Tag vor Inkrafttreten des ebenso umstrittenen Lissabon-Abkommens, welches aber immerhin Einstimmigkeit für Gesetzesentwürfe voraussetzt (was unter alten Bedingungen nicht der Fall sein muss). Nun hat allerdings löblicherweise die Bundesregierung einen Stein vor den rollenden Zug geworfen, sodass es nun beinahe unmöglich sein könnte, das Gesetz noch vor Dezember durchzubringen – mehr Chancen für die alarmierten Datenschützer. Und wenn das Gesetz trotzdem durchkommt, bleibt uns ja immer noch die Möglichkeit, unser Geld wieder in den Strumpf unterm Kopfkissen zu stecken. :)
Nunja, wir werden abwarten, vielleicht legt sich das Unwetter ja wieder. Und wenn nicht, wird das deutsche Volk bis in vier Jahren ja vielleicht wieder schlauer und wählt eine sich nicht zerfleischende Regierung. Wir werden sehen.
Dieser Artikel stützt sich auf folgende Quellen:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,661033,00.html
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,660894,00.html
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,661097,00.html