Apr 6 2012

Historical Funfacts #4: Der praesul

Hendrik Erz

So, lange ist’s her, seit ich das letzte Mal ein bisschen Unsinn publik gemacht habe, und heute ist es wieder soweit! Und witzigerweise erneut an einem Freitag. Also ein bisschen was zu Lachen zum Wochenende. Und es hat sogar noch was mit dem Christentum zu tun. What a coincidence!

Damals…

…, das heißt im Altlateinischen, bezeichnete das Wort “praesul” (von praesalire: “vorspringen”) eine Art Vortänzer, der bei römischen Festen und Triumphzügen rituelle Tänze vorneweg aufführte. Doch genauso wie das Wort Dux (“Führer”) im Mittelalter zum Herzog wurde (daher heißt ein Herzog heute im Englischen auch “duke”), haben sich im Mittelalter auch weitere Worte verändert.

… und etwas weniger damals.

“Heute” zu schreiben, wäre irgendwie unpassend, denn im Mittelalter bezeichnete das Wort “praesul”, um endlich zum Punkt zu kommen…: Bischöfe! Geistliche Würdenträger. Natürlich muss man jetzt ein bisschen “antichristlich” eingestellt sein, um das witzig zu finden, aber spießig sein darf man auch am Ostersonntag ;)

Und damit melde ich mich zurück aus der Umzugsflaute!


Mrz 16 2012

Historical Funfacts #3: Zabernism

Hendrik Erz

Der heutige historische Spaßfaktor kommt mal nicht von mir, sondern von der Welt. Denn die hat sich was ganz feines rausgepickt, sogar mit noch mehr Aktualitätsbezug als mein Funfact #1, und zwar das britische Wort zabernism. “Zabernismus” bezeichnet Misshandlung, Folter und anderweitige unmenschliche Behandlung seitens des Militärs und – das ist das eigentlich Interessante – leitet sich von einer elsässischen Stadt ab, Zabern (frz. Saverne).

Damals…

… hat ein preußischer Offizier eine schwierige, politische Situation geschaffen. Und zwar hat Lieutnant Forstner zur damaligen Zeit die Bewohner der Stadt für de facto vogelfrei erklärt, da er seinen Soldaten zehn Mark versprach, wenn sie so einen umbrächten. Was natürlich halb im Spaß gemeint war, drang allerdings an die Öffentlichkeit. Und anstatt Forstner zu versetzen und auf Diplomatie zu pochen – man kennt ja die Preußen – fühlten sich die Vorgesetzten gekränkt, ließen ein paar willkürliche Anweisungen durchsetzen, als wollten sie sagen “So, Ruhe im Karton, ihr Wichte!”, was natürlich zu weiteren Komplikationen sorgte. Was dann weiter passierte, passt schön in die Schiene: Forstner wurde ob der Lächerlichkeit der Anweisungen von Oben irgendwann einmal öffentlich auf der Straße verlacht, und da die Ehre kein Privileg der Vorgesetzten war stach er blindlings auf einen beliebigen Menschen ein, in diesem Fall einen halb gelähmten Schuster. Wie das Spiel weiterging, werden wir – mit großer Wahrscheinlichkeit – bald an dem aktuellen Vorfall sehen können.

… und heute.

Ja, der aktuelle Vorfall – ganz klar – ist der Amoklauf eines US-Soldaten in einem afghanischen Dorf, bei dem er in einer Nacht-und-Nebel-Aktion 16 Menschen ermordete. Zwar droht diesem Soldaten die Todesstrafe – zumindest die Sache, dass Ehre nicht funktioniert, scheint sich also in den letzten 100 Jahren herumgesprochen zu haben – aber trotzdem, wir wissen ja, dass die Amerikaner sehr gut darin sind, deutsche Fehler noch einmal öffentlichkeitswirksam zu wiederholen.

Wir dürfen gespannt sein :)


Mrz 14 2012

Historical Funfacts #2: Phänomene des Internets

Hendrik Erz

Okay, eigentlich wollte ich ja langsam mal einen Artikel zum Thema Macht und Verantwortung raushauen. Eigentlich wollte ich ja auch schon längst wieder was geschrieben haben. Und eigentlich muss ich zugeben, dass mich ein bisschen das Nichtstun ereilt hatte, nachdem die Blogaufrufe nach dem Kony-Artikel sagenhaft nach oben geschnellt sind. Von durchschnittlich 30 Lesern am Tag waren es da zweimal hintereinander weit über 100 Leser – und das alles wegen Kony. Aber das offenbart mehrere erstaunliche Fakten, die ich – beinahe – belustigend finde. Und es ist ein wunderbarer Beweis, dass ich mich doch gerne mal auf meine Lorbeeren ausruhe ;)

Zuerst einmal: Die Internetnutzer lassen ihre Aufmerksamkeit gerne auf “trendige” Themen ziehen. “KONY 2012″ war so ein Trend, der ein paar Tage lang das ganze Internet durchzogen hat. Die Leute sind dem leicht realisierbaren Aufruf im Video gefolgt, haben das Video mal eben auf ihre Pinnwand geklatscht und gut war. Somit hat das Video binnen kürzester Zeit (alleine in der Stunde, die ich für das Artikelschreiben gebraucht hab, wurden es zwei Millionen Views mehr) fast 30 Millionen Views bekommen und mein Blog konnte eben davon auch profitieren. Wenn “Kony” und “Invisible Children” auf Google und Twitter zu “trending topics” werden, profitiere ich natürlich auch. Funny thing: Ebenso schnell, wie Kony aufkam, ging er auch wieder. Es ist faszinierend, mit welch einer berechenbaren Genauigkeit einen Tag später jegliches Interesse an Kony abgeflaut ist.

Und das ist der zweite Fakt: Was die Aufmerksamkeit der Internetnutzer nicht aufrecht erhalten kann (was, abgesehen von den Kommunikationsplattformen Facebook und Twitter, nichts und niemand wirklich bewerkstelligen kann, außer Gesetzen gegen diese Plattformen), verschwindet ganz, ganz schnell in der Bedeutungslosigkeit. Das einzige, was sich seitdem etabliert hat, sind Memes bezüglich dem Thema. Wie schnell das Interesse verflogen ist, konnte ich in Echtzeit auf meinem Blog verfolgen: Am Abend der Veröffentlichung des Artikels wurden es in wenigen Stunden 100 Leser, am Morgen des darauffolgenden Tages noch einmal 100, aber bereits ab dem Mittag stagnierte die Leserzahl wieder vollständig. Faszinierend, oder?

Und nun Fakt drei: Die Content-Bubble, in die sich die Internetgemeinde sehr schnell fangen lässt. Kurz zur Info: eine Content-Bubble ist ein modernes “Gerücht” – eine Zeitschrift macht aus einem Fakt eine Schlagzeile durch weglassen verschiedener Informationen, und diese Schlagzeile verbreitet sich dann erst – die Fakten kennt, außer dem Verfasser der Schlagzeile, niemand. Das zeigen auch viele Blogs, die verzweifelt versucht haben, auf den offensichtlichen Fakt hinzuweisen, dass Invisible Children als eine humanitäre Organisation mithilfe des ugandischen und US-Amerikanischen Militärs Kony mit Waffengewalt zu stellen. Pragmatismus ist dieser Tage damit endgültig gesellschaftstauglich geworden und hat jegliche Form von Moral ersetzt. Ist das gut? Wir werden sehen.

Fakt vier: Kony 2012 kannte vorher niemand, und etwas Unbekanntes ist interessanter als etwas Bekanntes. Also richteten sich alle Blicke auf Afrika, anstatt auf Probleme in der Nachbarschaft. Selbst, wenn diese eigentlich auch interessant sind, wie die “Homeless Hotspots” auf einer Computermesse in den USA. Aber es ist eben nur ein Artikel und kein fancy Video mit ganz viel schöner Musik und einer schönen Story. Also haben sich auch die Blicke in Europa von Griechenland abgewandt. Und ein Schelm, wer jetzt nicht dachte: “Och, nicht schon wieder Griechenland” ;)

Und wie habe ich es eigentlich geschafft, aus der Überschrift “Ent-Rüstung im Nahen Osten” einen Kony-Artikel zu schreiben? Soviel zum Thema Aufmerksamkeit, die bei mir wohl eher der Entrüstung über bestimmte Themen gleichkommt =D

Und warum nun die Überschrift Historical Funfacts? Ganz einfach: Diese Art von Phänomenen wird früher oder später historisch werden, spätestens in 150 Jahren werden Historiker weltweit die Köpfe schütteln über diese Phänomene, die momentan, in dieser Anfangsphase des Internets, aufkommen. Und somit habe auch ich einen Beitrag zur Chronik der Welt für spätere Zeiten geleistet – Hendriks persönliche Annalen :)

Guten Tag!


Mrz 2 2012

Historical Funfacts #1: Guerilla-Taktiken

Hendrik Erz

Sam hat mich auf eine wunderbare Idee gebracht. Er studiert Philosophie und schreibt mittlerweile auf seinem Blog hin und wieder über Philosophical Funfacts. Diese wunderbare Idee habe ich mir einfach einmal geklaut für meine, ähnliche Idee. Und zwar ist mir beim Schreiben der Hausarbeit im Fach Alte Geschichte über die Germanienfeldzüge unter Augustus aufgefallen, dass viele Fehler der heutigen Zeit schon damals gemacht wurden.

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