Nov 17 2012

Israel: Ein neues “Pulverfass”?

Hendrik Erz

Ein wenig schockierend ist es schon, wenn man mitten im Berliner Hauptbahnhof steht, seit zwei Tagen das Internet nicht mehr bemüht hat, und dann feststellt, dass vielleicht eine der wichtigsten nahöstlichen Entwicklungen seit der arabischen Revolution eingesetzt hat, ohne dass man es direkt mitbekommen hat. Israel bombardiert also den Gazastreifen.

Nach dem Raketenbeschuss hat Israel endlich einen Vorwand gefunden, den Gazastreifen hoffentlich vollständig zu annektieren. Und damit vorgeblich die palästinensische Bedrohung zu eliminieren und als einzigen Staat in der Region Israel zu etablieren. Hoffentlich.

Ich will mich hier nicht mit möglichen Kriegsverläufen beschäftigen, sondern mit dem Worst Case: Israel annektiert wirklich sowohl den Gazastreifen als auch nach und nach das Westjordanland. Dann hätten wir quasi ein neues “Pulverfass”. Das mag jetzt vielleicht sehr tendenziös klingen, doch ich möchte gerne darauf hinweisen, dass auch in den Balkanstaaten vor dem Kosovokrieg mehrere Ethnien, die sich untereinander auf den Tod nicht ausstehen konnten, in einem Staatengebilde gefangen gehalten wurde. Nach dem Tode Titos brachen die unterdrückten Energien aus, und das Ergebnis ist uns tief ins Gedächtnis gebrannt. Also vielleicht nicht der 90er-Generation, aber den Generationen von 60 – 80.

In Israel/Palästina wird es genauso sein. Und dabei ist nicht das Problem, dass Israelis und Palästinenser in einem einzigen Staat leben – sie ändern ja ihre Position nicht, sondern eben genau das Problem des Balkans – dass dieser Staat von einer unbeliebten Ethnie beherrscht wird. Hätte Israel den Palästinensern nicht jede Existenzberechtigung abgesprochen, wäre das Problem vermutlich nicht ansatzweise so groß, aber der jahrzehntelang aufgestaute Hass auf beiden Seiten wird mit relativer Sicherheit dafür sorgen, dass ein eventueller Verbundstaat aus Israel und Palästina binnen weniger Jahre mit noch grausameren Ergebnissen wieder auseinanderbricht.

Denn wenn die Palästinenser von Israel dessen Rechtssystem aufgezwungen bekommen, dürfte sich das für sie so in etwa anfühlen, wie Schmutz auf der eigenen Haut, der sich nicht abwaschen lässt. Und diese Kombination aus Bedrängnis und Hass ist vermutlich noch gefährlicher als mit eiskaltem Kalkül handelnde Politiker. Und hier wird sich zumindest auf absehbare Zeit – selbst wenn Israel den Gazastreifen nicht annektiert, keine vernünftige Lösung zu finden sein. In diesem Sinne möchte ich Russel Hardin aus seinem Buch “One for all” zitieren, da er mit einem Zitat eines einfachen Menschen die ganze Unlösbarkeit der Situation im Kosovo aufzeigt, die als Prototyp für die jetzige israelisch-palästinensische Entwicklung gelten kann: “I really don’t hate Muslims [oder eben: Israelis] – but because of the situation I want to kill them all.”


Apr 9 2012

Denn Israel zu kritisieren

Hendrik Erz

Oh mein Gott. Ich möchte weinen. Ganz bitterlich weinen. Über diese Zustände in der heutigen Medienwelt.

Ich kann mein Unverständnis gegenüber den Medien gar nicht in Worte fassen. Dieser blanke Hass, der Günter Grass nach seinem Gedicht “Was gesagt werden muss” entgegen springt; ist beispiellos – und ein Armutszeugnis für den Rationalismus. Anscheinend hat man jetzt endgültig die Ideale der Aufklärung ad ACTA gelegt (ja, schlagt mich für das Wortspiel^^), denn das, was die Leute Günter Grass entgegen feuern ist so derart von Vorurteilen, Klischees und unglaublichem Halbwissen besetzt, dass mir die Galle hoch kommt.

Ich bin kein Antisemit - das schreibt Grass schon relativ am Anfang seines Gedichtes, und trotzdem ist das der erste Ausruf, der ihm entgegen geschleudert wird.

Doch beginnen wir mit der Form: Bereits in der Schule hat jeder ordentliche Schüler gelernt, dass die Form das wichtigste an einem Gedicht ist. Und genau das wird bereits missachtet: Die Süddeutsche Zeitung verwendet eine völlig andere (aber die richtige) Formatierung als der Spiegel, was offensichtlich ein Beweis dafür ist, dass man sich nicht um die literarische Gattung schert, sondern einzig und allein den Inhalt sieht – und den in einem Gedicht für bare Münze zu nehmen, ist tödlich für jeden Wissenschaftler. Und hier auch für Grass.

Nach einigem Überlegen bin ich zu dem Entschluss gekommen, genau wie mit dem Heveling-Artikel zu verfahren: Einzelne Aussagen der Kritiker zu nehmen und auseinander zu nehmen. Genauso, wie die Medien es das mit dem Grass-Gedicht tun: Jedes Wort für bare Münze nehmen.

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, warf Grass vor, Ursache und Wirkung zu verwechseln. Der “Berliner Morgenpost” sagte er: “Nicht das Existenzrecht des Irans, sondern Israels ist bedroht. Einem Staat das Existenzrecht abzusprechen, ist vergleichbar mit einer Morddrohung.” Es sei zwar legitim, Israels Politik zu kritisieren, “aber nur auf der Basis eines eindeutigen Bekenntnisses zu seinem Existenzrecht”. (Quelle)

Offensichtlich bezieht sich der Bischof hier auf die wohl am meisten kritisierte Stelle, eine offensichtliche Übertreibung Grasses:

Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag,
der das von einem Maulhelden unterjochte
und zum organisierten Jubel gelenkte
iranische Volk auslöschen könnte,
weil in dessen Machtbereich der Bau
einer Atombombe vermutet wird. (Quelle)

Wort für Wort genommen sagt Grass hier natürlich ganz klar: “Israel fordert ein Recht auf Erstschlag, da es sich bedroht fühlt dadurch, dass Iran seit zwanzig Jahren damit droht, endlich die Atombombe entwickelt zu haben. Mit einem solchen Erstschlag aber würde das iranische Volk vernichtet.” Anstatt sich einmal bewusst zu werden, dass Grass eine solche Aussage mit gesundem Menschenverstand niemals ernst gemeint haben könnte, wird reflexartig entgegen gespuckt:

Wolffsohn: Israel hat nie mit einem atomaren Erstschlag gedroht. Die U-Boote, von denen im Gedicht die Rede ist, sind Waffen für den Zweitschlag. Wenn das eigene Territorium durch einen atomaren Angriff verwüstet ist, versetzen U-Boote eine Nation in die Lage, auf den Angriff zu reagieren. Das weiß jeder, der sich schon mal mit Militärstrategie beschäftigt hat. Grass hat ganz offensichtlich keine Ahnung von dem Thema. (Quelle)

Wer hat hier keine Ahnung von dem Thema? Jemand, der die Debatte auf etwas absolut und vollkommen irrelevantes – nämlich eine Militärtaktik-Diskussion umlenken will, oder jemand, der eine Übertreibung und Verallgemeinerung zu etwas nutzt, das darüber steht? Wie wäre es zum Beispiel mit der Idee, dass Grass mit dieser Strophe einfach nur ausdrücken wollte, dass hier eine Person sich von einer anderen Person, die dafür bekannt ist, leere Drohungen von sich zu geben, Angst aufschwatzen lässt, die unbegründet ist? Ohne jetzt eine Diskussion vom Zaun brechen zu wollen, wer nun mehr Angst vorm anderen haben müsste: Wieso versucht niemand auch nur ansatzweise, dieses Gedicht zu analysieren? Es zu durchsuchen nach allgemeineren Dingen?

Leute: Es ist ein Gedicht. Es ist nichts, was man für bare Münze nimmt. Ein Gedicht arbeitet mit Bildern, es ist ein einziges Bild. Die Form ist in erster Instanz einmal wichtig, da fallen mir jetzt spontan Fragen ein wie “Wie werden die Sätze getrennt?”, “Werden Wortgruppen betont, die im Satz gelesen wieder einen anderen Sinn ergeben?” oder “Was drücken die jeweils ersten/letzten Worte eines jeden Verses aus?”. Dann sind noch weitere Hintergründe wichtig.

Ich kann nicht gut Gedichte analysieren. Konnte ich noch nie. Aber ich kann sagen, dass das, was dieser Shitstorm ausdrückt, definitiv keine Analyse ist, sondern ein reflexartiges Auswerfen sämtlicher Standardantworten zu persönlich-subjektiven Texten ist, in denen die Wörter “Iran”, “Israel” und “Atombombe” drin vorkommen. Man könnte ja fast meinen, die Leute wären auf einmal Computer, die Texte systematisch nach solchen Wörtern durchsuchen, und dann eine halbwegs angepasste Standardantwort verwenden, um sie zu diskreditieren.

Warum darf man Israel in der heutigen Zeit nicht mehr kritisieren? Warum sind kritische Worte wie die Vermutung, dass Israel ein Erstschlag einfordert, so ein großer Sakrileg? Und ich möchte unter “Israel” hier nur die handelnde, also exekutive Regierung verstehen, da das Volk schwerlich einen größeren Einfluss darauf haben kann, was Netanjahu für richtig erachtet. Und dass er ein Konservativer ist, ist altbekannt. Ich denke, in diese Richtung geht es, was Grass ausdrücken will.

Dichter verwenden gerne Bilder, die den Zeitgenossen geläufig sind, damit es für diese einfacher wird, das Gedicht zu übersetzen. Es ist wie Malen nach Zahlen. Und die Bilder, die Grass da verwendet, sind eben momentan aktuell. So ein Gedicht wörtlich zu lesen, ist, als würde man ein Volk, das eine unbekannte Sprache spricht, auslöschen und sagen, sie hätten irgendwas gesagt, dass sich wie eine Kriegserklärung angehört habe.

Und hier ein Beweis, der meine Theorie von den “allgemein bekannten Bildern” untermauert:

Segev: Natürlich nicht. Im Grunde hat Grass nur das gesagt, was auch der ehemalige Mossad-Chef Meïr Dagan beinahe jeden Tag erklärt. Dagan warnt vor einem israelischen Angriff auf Iran. In Israel wird über dieses Thema sehr rege diskutiert – es ist kein Tabu. (Quelle)

Think about that.

Zum Abschluss noch ein Interview, bei dem ich mich schäme, dass dieser Mann den Titel “Historiker” führen darf. Denn er hat nichts verstanden von dem, was Wissenschaftlichkeit ausmacht. Und das darf ich auch als Jungblut im zweiten Semester sagen, denn das erste, was wir lernen, ist die Maxime, die noch auf Thukydides zurückgeht, und in deren Folge die moderne Geschichtswissenschaft steht: Geschichte solle die Bemühung sein, ein so objektives Bild davon zu zeichnen, was geschehen ist, wie es dem Menschen möglich ist. Und Herr Wolffsohn spricht hier in blankem Hass, sodass er historische und sogar schlichte menschliche Fakten vollkommen aus dem Kontext reißt und Dinge gegen Günter Grass verwendet, die so absurd sind, dass ich ihn gerne einmal im Seminar bei uns aushängen möchte. Diesen Wolffsohn. Mit seinem Pamphlet gegen das Gedicht.

Bah.


Sep 16 2011

Once upon a time… im Kindergarten des Westens

Hendrik Erz

Es gibt ein Land, fernab von Europa. Die Wiege des Christentums, die Basis unseres heutigen Glaubens. Und was ist das für ein Land! Es fließen zwar kein Milch und Honig in den Flüssen des kargen Palästina, oh nein – ich meine natürlich Israel – aber dafür benehmen sich die Menschen dort wie vor 2000 Jahren. Selbst die katholische Kirche hat mehr Veränderung in den letzten zwei Jahrtausenden mitgemacht und gebilligt, als die Israelis. Nur mit dem Unterschied, dass die Ahnen der Israelis eigentlich aus dem modernen Europa stammen. Israel ist heute in der Welt so etwas wie das Paradebeispiel dafür, dass auch eine schlechte Regierung immer noch in der Lage sein kann, einen Staat zusammen zu halten, wenn Deutschland nicht herhalten soll.

Dieses Land hat eine Vergangenheit voller Kriege, Hass, Misstrauen und – Schmollen. Nach dem Sechstagekrieg distanzierte sich Israel von den ungeliebten Nachbarn und stützte sich voll und ganz auf die Unterstützung der USA, Großbritanniens und Deutschlands, die es auch bis vor Kurzem erhielt. Genauer gesagt bis vor einem Jahr, als Israel endgültig zu weit ging. Die Palästinenser, die “Ureinwohner” Israels, wenn man so will, standen lange Zeit unter fremder Herrschafft. Zuerst kamen die Juden, dann kamen die Römer, danach die Araber, Großbritannien und jetzt wieder die Juden. Heute heißen sie eben nur “Israelis”. Und nun werden die Palästinenser schon seit knapp 60 Jahren von ein paar dort eingesiedelten Vertriebenen aus ganz Europa tyrannisiert. Und das nur, weil sie das, was vor ein paar Monaten viele arabischen Völker gemacht haben – nämlich, ihre Regierungen zu verjagen – bereits vor mehreren Jahrzehnten getan haben. Oder besser: es versucht haben.

Den Höhepunkt dieser Tyrannei überschritt Israel vor etwas mehr als einem Jahr, als israelische Streitkräfte eine Hilfsflotte auf dem Weg zum damals seit Jahren unter einer See- und Landblockade stehenden Gazastreifen abfing und dabei acht türkische und einen amerikanischen Staatsbürger töteten. Seitdem erfuhr die Welt erst das hässliche Gesicht der israelischen Regierung.

Um Kritik vorweg zu nehmen: Ich habe weder etwas gegen die Israelis, noch dagegen, dass sie einen Staat auf dem Gebiet Palästinas haben. Ich habe lediglich etwas gegen die Regierung der Israelis. Und das hat handfeste Gründe. Denn wie kann eine Regierung brav Hilfslieferungen aus Europa akzeptieren, ganze Schiffsladungen sogar, um dann regelmäßig auf die Gönner zu schimpfen? Wie kann eine Regierung es sich mit sämtlichen Nachbarstaaten verscherzen, nur weil zuerst eine arge Inakzeptanz seitens der Nachbarländer bestand? “Du bist doof!” zu sagen funktioniert in der internationalen Diplomatie nun einmal leider nicht.

Gut, hier muss man den Briten und Amerikanern auch einen Batzen Schuld abdrücken – wie kann man ein Volk, das gerade erst den Fängen des dritten Reiches entkommen ist, in eine feindliche, arabische Umgebung aussetzen, in der bereits ein Volk lebt, das genauso ein religiöses und historisches Anrecht darauf hat, dort einen eigenen Staat zu haben? Weil man es kann? Weil man es kann. Diese letzte, imperialistische Großtat hatte den Glanz eines Kuhfladens in der Sonne – irgendwann fing es an, zu stinken. Dass die Westmächte nicht hellhörig wurden, als Israel das gesamte Gebiet mit Krieg überzog, mag am kalten Krieg gelegen haben, aber dass die Westmächte auch heute lieber schweigen, anstatt etwas zu tun, spricht nicht sehr für den glorreichen Westen.

In ganz Europa und in der Welt werden Stimmen laut, dass die Westmächte mittlerweile ein riesiges Problem haben: Sie kommen nicht mehr klar mit einer veränderten Welt und wollen sich nicht festlegen, weil das eben zu Neukonstellationen führen würde. Die westlichen Regierungen sind derart eingefahren im Glauben, unbedingt eine vereinte westliche Welt zu haben, dass alles äußere wie ein Fremdkörper wirkt und gut daran tut, den Westen um nichts zu bitten. Europa ist wie eine Festung gegenüber allem äußeren geworden, bildlich geworden in den Blockaden für Flüchtlinge aus Afrika. Muss das sein?

Und nun hat Israel freie Bahn – es hat den Blankoscheck, dass Israel bestehen bleibt, denn gäbe es Israel nicht mehr, wäre weitaus mehr Frieden in der Region – die Palästinenser werden von den Nachbarstaaten über Tunnel mit allem Lebensnotwendigen versorgt, während Israel ausbluten würde, läge es nicht am Mittelmeer. Und wäre mehr Frieden in der Region, würde sich eine zweite, riesige Großmacht auf dem Planeten etablieren: Die Araber. In der Geschichte ist das schon einmal passiert und die arabischen Streitkräfte waren so mächtig, dass sie erst um 700 n.Chr. von Karl Matell in Frankreich gestoppt werden konnten. Und nun, nachdem sich die Araber gegen ihre vom Westen eingesetzten, despotischen Herrscher aufgelehnt haben, ist der Weg frei, für eine erneute Allianz arabischer Kräfte. Prinzipiell stehen wir erneut an der Schwelle zu einem weltweiten Krieg des Westens gegen den Islam, der zwar schon seit Jahrzehnten schwelt, aber immer mehr auszubrechen droht.

Und anstatt sich mit den Arabern zu verbünden, die Zweistaatenlösung im palästinensischen Gebiet durchzusetzen und unter Anderem damit dafür zu sorgen, dass in Zukunft vielleicht sogar zwei riesige Staatenverbände auf dem Planeten koexistieren können, ohne in kalte Kriege oder Lethargie zu verfallen, verschanzt sich der Westen psychisch und physisch in seinem Bollwerk aus Gesetzen und dem Glauben daran, dass alles gut werden wird, wenn man nur lange genug nichts tut, und wird eines Tages ganz schön dumm da stehen.

Wann lernen wir endlich, dass Araber auch nur Menschen sind?


Jun 5 2010

Israel – Ein Platz an der Sonne?

Hendrik Erz

Seit knapp 62 Jahren gibt es nun Israel, gegründet nach dem zweiten Weltkrieg von jüdischen Volksleuten im Gebiet zwischen Jerusalem und dem Mittelmeer. Innerhalb des Staates liegen so mehr oder minder sämtliche christlichen und jüdischen Heiligtümer, wie Jerusalem, Bethlehem und das Tote Meer (Man erinnere sich an die Geschichte von Sodom und Gomorrah). Und genau dieser Punkt macht Israel angreifbar. Denn es gibt Menschen, die Israel diese Heiligtümer streitig machen wollen. Am ehesten tun dies die Palästinenser, welche im Gaza-Streifen und im Westjordanland leben. Die Palästinenser im Gaza-Streifen, seit 2007 unter der Regierung der Hamas machen den Israeliten seit der Gründung des Staates diese Heiligtümer streitig und wollen einen eigenen, völkerrechtlich anerkannten Staat.

An diesem seit Jahrzehnten brodelndem Krieg zwischen Palästinensern und Israeliten zeigt sich in einer krassen Ausführung ein Religionskrieg der Moderne. Denn sowohl Palästinenser als auch Juden haben ein historisch-religiöses Interesse an der Region und gleichzeitig auch irgendwo einen Anspruch darauf, den sie erheben. Nun gibt es aber das Problem, das Israel den Palästinensern keinen eigenen Staat geben möchte und Jerusalem vollständig für sich beansprucht, und die Palästinenser nicht bereit sind, einen gemeinsamen Staat mit den Israeliten zu gründen.

De facto bedeutet das, das sich Israeliten und Palästinenser seit Jahren die Köpfe einschlagen. Die Hamas startet immer wieder Guerillaaktionen auf das militärisch hochgerüstete Israel, welches auch seit Jahrzehnten mit westlichen (vornehmlich deutschen) Waffen beliefert wird, worauf die Israeliten meist mit teilweisen Invasionen auf den Gazastreifen antworten. Seit langer Zeit schon existiert im Gazastreifen nicht einmal mehr grundlegenste Infrastruktur, von diesem ständigen Bekriegen wurden die Gebäude und Städte stark mitgenommen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Gazastreifen wegen der radikalen Hamas, welche international als terroristische Organisation geächtet ist, auch keine internationale Unterstützung erhält.

Doch seit ein paar Tagen kann ein internationales Phänomen der Bestürzung über Israel wahrgenommen werden. Während man sich bereits seit Jahren mit Israel streitet, ob es denn eine Atommacht sein dürfe, oder nicht, gibt es seit 2007 eine See- und Landblockade des Gazastreifens. Sogar innerhalb der internationalen Gewässer versucht Israel mit Erfolg, seine Interessen durchzusetzen und blockiert jegliche Transporte in den Gazastreifen, jüngst war dies eine ganze Hilfsflottilie von pro-palästinensischen Organisationen, welche unter Anwendung von Gewalt in die Gewalt Israels gebracht wurde und schließlich in eine israelische Hafenstadt geschleppt wurde, wo die Ladung in israelische Hand überging. Handel auf die unkonventionelle Art.

Fest steht, dass Israel mit immer brutaleren Methoden versucht, den Gaza-Streifen auszuhungern. Es kommt beinahe einer Belagerung aus dem Mittelalter gleich und die internationalen Kräfte rühren immer noch keinen Finger für die Palästinenser. Und daher gelingt es den Israeliten immer wieder, die Palästinenser immer weiter auszudünnen. Denn die Palästinenser sind zwar das kleinste Problem der Israeliten, aber aufgrund der geographischen Nähe das Lästigste. Denn mit anderen anti-israelischen Anrainerstaaten hat Israel in den vergangenen Jahrzehnten Friedensverträge geschlossen.

Und so versucht Israel nun schon, mit der Begründung der Hamas-Regierung, seit 3 Jahren, den Gaza-Streifen systematisch auszuhungern, doch da immer mehr Unmut in der Bevölkerung des Planeten gegenüber Israels Vorgehensweise laut wird, kommen auch mehr und mehr Feinheiten über diese Belagerung zutage. So zum Beispiel der Angriff auf den Hilfskonvoi in den letzten Tagen. Doch warum blockiert Israel so vehement den Gazastreifen und siedelt ohne Unterlass im Westjordanland?

Nun, zuerst einmal muss man sagen, dass die Nachbarstaaten Israels es mit selbigem Land nicht sehr gut meinen. Kurz nach der Unabhängigkeitserklärung von Israel am 14. Mai 1948 griffen Ägypten, Syrien, Jordanien und der Irak Israel an, weil sie diesen neuen Staat in der Mitte ihrer selbst nicht akzeptieren wollten – nicht zuletzt auch, weil es ein künstlicher neuer Staat mit Unterstützung Europas und Nordamerikas war, der von Großbritannien errichtet wurde.

In der Folgezeit wurde Israel daher immer mehr mit westlichen Waffen ausgestattet und man sorgte dafür, dass es ein Staat der 1. Welt wurde. Doch letztlich führte diese anhaltende Feindschaft unter den eigentlich verbrüderten arabischen Staaten dafür, dass Israel sich halbwegs selbstständig machte. Dies zeigte sich unter anderem im Sechs-Tage-Krieg von 1967 und in den anhaltenden Siedlungsprojekten im Westjordanland sowie der Blockade des Gazastreifens. Und somit hat heute Israel nur noch wenig Unterstützung aus dem Westen, da dieser einerseits diese Siedlungsprojekte und andererseits die Atompläne Israels nicht unterstützt. Somit wurden aus den einstigen Unterstützern Skeptiker und Israel gerät zunehmend in internationale Kritik. Die Vorgehensweise bei den humanitären Hilfstransporten stärkt dieses Bild Israels weiterhin.

Und somit wächst von Tag zu Tag der Druck auf Israel, auch weil einstige Bündnispartner wie die Türkei und Griechenland abspringen und Israel mehr und mehr in der Wüste verdursten lassen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die israelische Regierung in den folgenden Wochen äußert, aber ohne ein Einlenken der Regierung sehe ich keine großen Chancen, denn sobald Israel international nicht mehr derart geschützt ist, wird es immer wahrscheinlicher, dass die großen Feinde Israels erneut eine Invasion versuchen werden…