Was soll es mir sagen, dass der Wahl-o-Mat mir die PARTEI an erster Stelle anzeigte? Immerhin kamen die Piraten an zweiter Stelle. Womit sich mein Dilemma, ob ich nun die PARTEI oder die Piraten wählen sollte (das ich schon eine ganze Zeit lang vor mir her schiebe) nicht gelöst hat. Doch, damit auch ihr etwas von meinen folgenden Gedankengängen habt, will ich hier auch gleich einmal eine Art Analyse der zur Wahl stehenden Parteien einfließen lassen und mal schauen, was so dabei herum kommt. Doch eins verspreche ich: FDP und CDU werden höchstwahrscheinlich nicht gut weg kommen.
Fangen wir doch gleich einmal bei der Partei an. Die “Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative” mit dem langen Namen, die wohl beim Sprecher der Vorspanne von Wahlwerbespots in den Öffentlich-Rechtlichen regelmäßig tourette-ähnliche Äußerungen hervorrufen dürfte, ist in erster Linie ein Kind der Titanic und damit von Martin Sonneborn. Deutschlands bester Satiriker hat dabei sogar das Zeug, ähnlich wie in Island uns Deutschen eine Herrschaft der Comedians zu bescheren. Die Positionen der PARTEI sind im Prinzip ausgelegt auf einen gesunden Menschenverstand, der so Sachen sagt wie “Kindergeld sollte nicht nur an arisc…. ehm deutsche Familien ausgezahlt werden”. Das macht die PARTEI sicherlich zu einem attraktiven Wahlobjekt, doch sollte man nicht vergessen, was sie dabei zumindest im Wahlkampf selber ist: Eine Partei, die alle Entwicklungen aktueller Parteien bis zur Lächerlichkeit überspitzt, frei nach dem Motto: “Da Politik in Deutschland immer satirischer wird, wird Satire eben immer politischer”. Inhalte Überwinden par excellence.
Aber auch die Piraten sind attraktiv. Wenn man noch Hoffnung in die Politik Deutschlands setzt, sogar mehr als die PARTEI. Die Piraten sind nach ihrem “raketenartigen” Start, wie der Spiegel gerne mal postuliert, mittlerweile in der Mitte der Kleinparteien angekommen und drängeln sich wie ein Drängler auf Deutschlands Autobahnen an ihnen vorbei. Was sie attraktiv macht ist – außer der “Andersartigkeit” – einerseits ein unkompliziertes Umgehen mit offenkundig “peinlichen” Dingen wie alleine dem Namen oder auch “No-Gos” der Politik (Ausgeben statt Sparen, nur als Beispiel) und der Anspruch, wirklich das Volk zu vertreten. Da jeder mitmachen darf, kommt eine Mehrheitsmeinung heraus, die vielleicht nicht immer das Gelbe vom Ei sein mag, immerhin aber das Weiße. Meiner Meinung nach sind die Piraten deshalb extrem attraktiv, weil sie die Chance haben, die Bundesrepublik als stärkste Macht im Bundestag (man möge mich von Zukunft reden lassen) in positiv-liberaler Hinsicht zu verändern, allerdings auch, weil sie – selbst wenn sie das nicht schaffen – zumindest einen deutlichen Ruck der etablierten Parteien verursachen dürften. Was sie jetzt schon tun.
Dass die Linke bei mir an dritter Stelle kommt, ist theoretisch kein Problem. Praktisch ist es ein Problem, weil die derzeit wohl eher mit sich selber beschäftigt ist und diese Wahlversprechen in keinem Falle umsetzen kann. Außer, dass die Parolen etwas veraltet wirken, die derzeit auf den Wahlplakaten prangen, ist es auch eine böse Falle der Deutschen Sprache, dass wir von Links nach Rechts lesen und die Fahne auf dem i der Linken eben nach hinten zeigt. Doch das möge bitte nur eine kleine Pointe am Rande sein. Fest steht, dass von der Linken in letzter Zeit nicht einmal heiße Luft gekommen ist – denn die ist wohl in der Saarschleife abgesoffen. Zusammen mit der FDP.
Doch davor möchte ich noch einmal fix Grüne und SPD behandeln. Fangen wir mit dem Spinat an, der laut Wahl-O-Mat bei mir beliebter ist, als die Tomaten von der SPD. Und Spinat passt hier auch ganz gut, denn viel mehr Themen haben die Grüne nicht. Das spiegeln auch die Wahlplakate wieder. Während die Piraten konkrete politische Forderungen, die Linke wohl etwas zu konkrete Forderungen und die Partei Bela B hat (win!), sieht man bei den Grünen zum ersten Mal in diesem vollkommen repräsentativen Ranking Schlagzeilen wie: “Die gesunde Alternative!” – die mich auch gleich zu einem fiesen Vergleich bringt. Und zwar kandidiert in Bonn eine Person für die Grünen mit genau diesem Spruch. Ihr Aussehen allerdings muss man sich nun vorstellen wie eine gedrungene Angela Merkel mit einer Vielzahl Falten und einer Gesichtsfarbe, die wohl eher an die eines Kettenrauchers, denn einer gesunden Person erinnert. Zur Verdeutlichung kann man sich hier ein wundervolles Bild dieser Schönheit anschauen. Für den Fall, dass Frau Kappel oder Anwälte hier hineinschauen: Ich entschuldige mich jetzt schon dafür unter dem Hinweis darauf, dass ich die Parteien hier eher satirisch beobachte.
Kommen wir zu unseren Lieblings-Sozis von der SPD. Ich war ja eine lange Zeit Anhänger der marxistischen Theorien und damit auch eng verbunden mit der SPD. Das war vor 5 Jahren. Für Menschen, die diesen Blog selten besuchen, sei der Hinweis gegeben, dass ich damals 16 war und soviel Ahnung von Politik hatte, wie Angela Merkel von Regierungsarbeit. Die SPD hat sich seitdem kontinuierlich in meiner Gunst herab gearbeitet. Der Höhepunkt war wohl Gerhard Schröder (den ich noch nicht ganz mitbekommen hab) und der in der Folgezeit schwelende und dann ausbrechende Führungswechsel (der mich voll erwischt hat). Viel mehr hat man von der Bundes-SPD ja nicht mitbekommen. Freudig allerdings die Ergebnisse des NRW-Landesverbandes. Besonders für Studenten. Ich denke, dass das durchaus eine der wenigen erfreulichen Entwicklungen hierzulande ist. Und das macht die SPD für Menschen, die mit Piraten oder Partei (wer könnte es ihnen verdenken) Probleme haben, hoffentlich attraktiv zu wählen. Ministerin a.D. Kraft scheint wohl doch ein bisschen was drauf zu haben. Von daher kommt hier eine Wahlempfehlung. Am besten zusammen mit den Piraten. Dann können wir auch mal schauen, ob es was bringt, auszugeben, anstatt sich kaputt zu sparen.
Was eine wundervolle Überleitung – und zwar zum erklärten Wahlspruch der FDP. Christian Lindner + “Nicht ausgeben!” – eine wundervolle Combo. Vielleicht war aber auch nicht mehr möglich, wenn man sich einfach einmal kurz überlegt, dass der NRW-Landesverband einen Kredit aufnehmen musste, um die Wahlwerbung zu finanzieren. Das erscheint mir ein wenig wie die Katze, die sich in den eigenen Schwanz beißt. Doch das sei hier nicht weiter kommentiert – eine Person, die aus wahlkampftaktischen Gründen die Piraten als eine Linkspartei mit Internetanschluss bezeichnet, kann doch nicht allen ernstes noch alle Bits im Byte haben. Doch auch das zeigt die desolate Position der FDP hierzulande. Nachdem diese Partei es über viele Jahrzehnte wie in Zeitlupe geschafft hat, sich zu demontieren, ist sie heute nur noch ein Schatten ihrer selbst. Von den schaurigen Rhetorik-Künsten des Röslers einmal abgesehen. Obwohl ich das Vorhaben des Bundesvorstandes unterstütze, diesen Mann abzusägen. Denn irgendwo hab ich die FDP lieb gewonnen. Nicht nur, dass ich mittlerweile selber stark sozialliberal orientiert bin und die FDP, würde sie noch für die drei Buchstaben stehen, wählen würde, auch würde den anderen Parteien ein wenig der kleine, keifende Gnom in giftgelb fehlen :)
Die CDU. Nunja. An der Wahl der CDU hindern mich eher Norbert Röttgen in Person sowie das unglaublich schlechte Wortspiel “Norbert Röttgen Wählen”. Viel mehr hat die CDU ja sowieso nicht drauf. Zudem wird es sicherlich bei der Demontage von Mutti helfen, die CDU bei dieser Wahl ausnahmsweise nicht zu wählen. Ansonsten gilt genau das Gleiche, was ich vor zwei Jahren schon zur CDU schrieb und dachte. Denn viel hat sich seitdem nicht geändert.
Und pro NRW habe ich mehr oder minder als Quotenrassisten in die Auswahl hinein genommen. Lucky me, dass sie auch ganz unten im Ranking aufgetaucht sind. Allerspätestens nach der Aktion am Samstag in Bonn können die mich mal restlos kreuzweise. Da pfeife ich sogar auf meine Wissenschaftlichkeit, die ich seit dem letzten Artikel irgendwie so gar nicht mehr an den Tag lege, kann das sein?
Soviel von meiner relativ populistischen und flachen Meinung zu den Parteien am Montag vor der Wahl. Entscheidet weise, aber geht wenigstens wählen. Und wenn’s nur die Partei ist ;)