Mrz 18 2010

The Fountain

Gastautor

Eines vorweg: Nein, auf diesem Blog herrscht derzeit keine Rachel Weisz Tributwoche. Dass sie die Hauptcharakterin in zwei verschiedenen Filmen spielte, die hier in Folge reviewt werden ist bloßer Zufall. Oder ist es ein Fingerzeig ? Diese Entscheidung überlasse ich euch …

The Fountain ist ein Film der polarisiert. Das hab ich selbst am eigenen Leib erfahren. Als ich den Film vor 4 Jahren zum ersten Mal sah, hielt ich ihn für prätentiösen esoterischen Schmu. 4 Jahre sind seitdem vergangen und als ich ihn auf Anraten eines Freundes nun erneut sah, rührte mich dieser Film zu Tränen und brachte mich noch Tage später zum Grübeln.The Fountain

Im finsteren Dschungel Südamerikas ist der spanische Konquistador Thomas (Hugh Jackman) auf der Suche nach dem verborgenen Baum des ewigen Lebens, um sein Heimatland und seine schöne Königin (Rachel Weisz) von der Unterdrückung durch den Vatikan zu befreien. Schnitt in die Zukunft. Ein glatzköpfiger Mann (Hugh Jackman) schwebt in einer gläsernen Kugel, die neben ihm auch einen alten verdorrten Baum beherbergt, durch die Finsternis des Weltalls. Sein Ziel: Das ferne Sternbild Xibalba. Schnitt. Die Gegenwart: Der Wissenschaftler Dr. Tom Creo (Hugh Jackman, again) ist auf der Suche nach einem Heilmittel gegen Krebs. Sein Antrieb ist seine schwerkranke Frau Izzy (Rachel Weisz). Der Durchbruch steht kurz bevor, doch die Zeit rinnt ihm durch die Finger. Während er verzweifelt und besessen ein Heilmittel sucht, findet Izzy im Schreiben eines Romans eine andere Möglichkeit, ihren bevorstehenden Tod zu verarbeiten.

Darren Aronofsky ist nach dem schonungslosen Suchtporträt „Requiem For A Dream“ mit diesem Werk ein weiterer Meisterstreich gelungen. Eine Parabel von immerwährender Liebe, dem Streben nach Unsterblichkeit und dem Umgang mit dem Tod, all das verteilt auf 3 verschiedene Zeitstränge, immer wieder mit Symbolen miteinander verknüpft, ein Rätsel, dass es zu entschlüsseln gilt.

Die zentrale Handlungsebene ist dabei die der Gegenwart, die Vergangenheit und Zukunft sind rein metaphorisch zu verstehen. Zwei Ansichten prallen hier aufeinander. Izzy hat ihr Schicksal, den Tod akzeptiert. Umso mehr strahlt sie das Leben aus, eine zarte Lichtgestalt, die ihre letzten Tage mit ihrem Mann genießen will. Doch dieser ist wie besessen davon, sie vor der Krankheit zu retten, ja, vor dem Tod zu retten. „Death is a disease. And there’s a cure. And I will find it“, schreit er verzweifelt, selbst als seine Frau längst schon verstorben ist. Er akzeptiert den Tod nicht, spiegelt damit exakt den Ewigkeitswahn unserer Gesellschaft wieder. Verzweifelt leidet er im Angesicht von Izzys Tod und auch danach will er ihn nicht akzeptieren. Doch was ist das Leben wert, wenn es in ständiger Angst vor dem Ende „gelebt“ wird ? Eine ganz andere Antwort weiß da der alte aztekische Priester, welcher in Izzys Geschichte den Baum des Lebens bewacht. „Death is the Road to Awe.“ Das letzte Kapitel ist noch nicht vollendet. Diese Mission hat Izzy ihrem Mann aufgetragen. „Finish it.“ Und auf einmal begreift Tom, was von ihm verlangt wird, auch er soll lernen zu akzeptieren.

Zu dieser faszinierenden Geschichte kommt noch die audiovisuelle Komponente dazu. Gerade das Ende des Films ist hier ein einziger Orgasmus für Auge und Ohr. Der Film kommt dabei ohne teure CG-Effekte aus, so sind die Szenen im Sternbild Xibalba hauptsächlich vergrößerte Aufnahmen von chemischen Reaktion in Petrischalen. Diese Kosteneinsparung merkt man allerdings kaum. Für den Soundtrack konnte man dann den grandiosen Clint Mansell verpflichten, der hierfür sogar mit Mogwai und dem Kronos Quartett kollaborierte und einen Soundtrack erschuf, der mit „faszinierend“ nur unzureichend beschrieben werden.

Was soll ich noch groß sagen ? Worte vermögen hier wenig auszurichten. Der Film ist eine psychedelische Reise, die man nicht in Text fassen kann. Eine Reise die man selber antreten muss. Ich wünsche viel Vergnügen.

Trailer


Mrz 17 2010

Agora – Eine Frau zwischen den Fronten

Hendrik Erz

Vor fünf Tagen, am 11. März 2010 kam ein Film in die Deutschen Kinos, der irgendwie kaum Beachtung findet. Während Tim Burton’s Alice im Wunderland hochgepriesen wurde und immer noch die Ausläufer des Avatar-Hypes zu spüren sind, geht dieser epische Film schier unter im Gewirr von Filmen.
Sicherlich, Tim Burton-Filme sind selten schlecht, und haben oft einen gesellschaftskritischen Inhalt, doch das Problem ist, dass dies kleine Dinge in unserem Alltag darstellen, die uns selbst nicht einmal so offensichtlich schaden. Doch in Agora – Die Säulen des Himmels geht es um wesentlich mehr als Ausgrenzung, Diskriminierung und Gruppenzwang.

AgoraIn Agora – Die Säulen des Himmels wird das Leben der Hypatia von Alexandria beleuchtet. Er spielt etwa um 400 n. Chr. in eben jener Stadt am Nil, als gerade die ersten Ausläufer der christlichen Religion dort ankommen.

Die Christen und die Verehrer der altägyptischen Götter stehen sich auf dem Platz vor der Agora in Alexandrien gegenüber und versuchen, die Religion des jeweils anderen zu widerlegen. Dabei gehen die Christen beim Beweis ihrer Überlegenheit sehr brutal vor und werfen gar den heidnischen Prediger in die Flammen.

Gleichzeitig unterrichtet Hypatia eine Reihe von Schülern in der Philosophie. Heute würde man das, was sie lehrte, eher unter die Fächer Philosophie und Astrophysik einordnen. Dann kommt ein Tag, an dem die Christen ein Bildnis einer heidnischen Gottheit wie einen schlechten Musiker mit Tomaten und fauligen Eiern bewerfen. So versucht der spätere Bischof Kyrill von Alexandrien zu beweisen, dass diese heidnischen Gottheiten nicht existieren. Daraufhin greifen die Heiden die Christen an und in einem langen Gemetzel schlagen die Christen die Heiden zurück und drängen sie in die Agora. Tage später bestimmte der damalige Römische Kaiser Augustus, dass die Agora ab sofort den Christen gehöre. Daraufhin wird die Bibliothek von Alexandrien gestürmt und sämtliche nicht geretteten Papyri werden vernichtet.

Jahre später ist einer ihrer Schüler Bischof von Kyrene geworden, ein weiterer Präfekt von Alexandrien. Die Christen, welche auffällig schwarz angekleidet sind, wurden immer mehr und beginnen nun langsam damit, auch andere Religionen, wie das Judentum zu vernichten. Doch als auch die Juden zurückschlagen werden die Christen erneut handgreiflich und metzeln so lange Juden nieder, bis diese die Stadt unter Legionsschutz verlassen müssen.

Doch Hypatia lehrt weiter an ihrer Schule, trotz der Radikalisierung der gesamten Bevölkerung, was ihr dann zum Verhängnis wird. Während sie immer mehr versucht, dem Rätsel der Planetenbewegung auf die Spur zu kommen, angestoßen durch eine Äußerung von Darius, einem ihrer früheren Sklaven und späteren Verräter, verschwört sich Bischof Kyrill von Alexandrien gegen den Präfekten und versucht, ihn dadurch zu besiegen, indem er Hypatia unter seine Kontrolle bringt. Das schafft er durch ein Zitat aus der Bibel, welches er verdreht, um Hypatia der Hexerei anzuzeigen.
Nachdem der ehemalige Schüler Hypatias immer mehr eingeengt wird, erklärt er ihr, dass er sie nicht weiter schützen könne. Daraufhin verlässt Hypatia das Gebäude ohne Geleitschutz und wird von Christen gefangen genommen, welche sie in die ehemalige Bibliothek von Alexandrien führen und sie dort steinigen.

Soweit etwas mehr zum Inhalt. Doch was ich an dem Film sehr empfehlen kann, ist, dass er relativ schonungslos zeigt, wie Ideologisierung und Fanatisierung der Bevölkerung – egal zu welcher Religion – über Gewalt bis zur vollständigen Kontrolle über die Menschen führt. So gelingt es den Religionsführern des Heidentums, des Judentums und besonders gut auch dem des Christentums, viele Menschen für ihre Sache zu gewinnen und so mit einer relativ großen Zahl an Menschen jeweils die andere Religion anzugreifen.

Was auffällig ist, bei diesen ganzen Religionsstreitigkeiten, dass das Christentum weitaus mehr “Fehler” begeht, als Heidentum und Judentum. Der Regisseur, Alejandro Amenábar – ein Spanier, scheint hier das Christentum mehr in die Schuld zu nehmen als das Heidentum und das Judentum. Einerseits dürfte das passiert sein, da es wesentlich “politisch korrekter” ist, das Christentum mehr zu belasten, als – besonders z.B. – das Judentum, andererseits, weil er sich vielleicht stellvertretend für seine Religion (bzw. die hauptsächliche Religion in Spanien – Katholizismus) schämt. Denn in der Vergangenheit hat sich das Christentum nicht unbedingt einen guten Ruf eingeräumt: “Hexenverbrennungen, Inquisition, Kreuzzüge – Wir wissen wie man feiert. Ihre Kirche” ist nicht umsonst ein ziemlich schwarzer Witz in diesem Zusammenhang geworden.

Doch abgesehen davon, dass man das Christentum mehr belastet als die anderen Religion, ist anzumerken, dass dieser Film seine extreme Religionskritik und damit auch seine gesellschaftliche Kritik, die auch auf die heutige Zeit übertragbar ist, stark in metaphorischer und ellipsenhaltiger Sprache verpackt. So erscheinen Vertreter des Heidentums, welche schließlich die Bibliothek von Alexandria, und damit wertvolles Wissen, ehrten und es mehrten, grundsätzlich in schneeweißen Gewändern, die Juden, welche mehr eine Nebenrolle einnehmen, in schlichtem, neutralem Grau und die Christen grundsätzlich in Schwarz. Ebenso auffällig ist die sinkende Pracht der Gewänder vom Heidentum über Judentum bis zu den Christen.
Und die Protagonistin läuft grundsätzlich in einem Bordeauxroten Kleid durch den Film. Ebenso metaphorisch sind die Kameraführungen, welche immer passend zum Kontext den “Blick Gottes” zeichnen könnten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Filmes ist die Hyperbel und die Ellipse. Diese beiden Begriffe, welche einerseits zur Beschreibung von Planetenbahnen (also das Hauptproblem im Film von Hypatia) aber andererseits auch zur Beschreibung Axiomähnlicher Sätze dienen, fallen recht oft in unterschiedlichen Zusammenhängen, aber genauso blind, wie die religiösen Fundamentalisten gegenüber ellipsoiden Planetenbahnen sind, so resistent zeigen sie sich gegenüber Ellipsen, welche ihnen eigentlich ihren eigenen Fanatismus vor Augen führen sollen.

Viel in dem Film ist stark durchdacht, es werden viele auch unbekannte, neue Mittel der Kameraführung und Visualisierung eingesetzt, die Elemente passen alle ineinander und jede Szene kann metaphorisch gedeutet werden. Alles in allem ist der Film ein Komplettpaket; sowohl Historiker, als auch Philosophen und Theologen dürften mit diesem Film rundum glücklich sein.

Als Fazit bleibt mir also nur zu sagen, dass dieser Film verdammt empfehlenswert ist und verdammt gut gemacht ist. Und wem die Intention verschlossen bleibt, für den hat dieser Film immerhin noch eine verdammt schöne Kulisse und tolle Grafiken – inklusive einem perfekten Drama. Absolutes Muss! :)